Die Nachricht schockte vor wenigen Stunden ganz Deutschland: Der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki (✝93) ist tot! Der Publizist prägte nicht nur die Literatur-Welt durch seine gefürchtete kritische Art als Kritiker, sondern hinterlässt auch die Geschichte eines bewegten (Privat-)Lebens.

1920 in Polen geboren wuchs Reich-Ranicki im jüdischen Glauben in einer deutsch-polnischen Familie mit zwei älteren Geschwistern auf. Nachdem sein Vater Bankrott anmelden musste, wurde der achtjährige Marcel von seinen Eltern nach Berlin zu wohlhabenden Verwandten geschickt - er sollte weiterhin die Chance auf eine beruflich erfolgreiche Zukunft haben! Während die anderen Kinder sich bei Ausflügen und Schulfesten amüsierten, beschäftigte sich Reich-Ranicki als Kind bereits mit der deutschen Literatur und besuchte oft das Theater.

1938 wurde er dann nach kurzer Haft nach Polen abgeschoben und später ins Warschauer Ghetto umgesiedelt, wo er unter einem Pseudonym Konzert-Rezensionen schrieb. Im Ghetto heiratete er die Frau seines Lebens, Teofila, verlor aber auch seine Eltern, die von Nazis getötet wurden. Gemeinsam mit Teofila gelang ihm die Flucht. Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er zunächst in London bei der polnischen Botschaft und war auch für die Geheimpolizei beschäftigt. 1951 startete Reich-Ranicki als freier Schriftsteller seine Karriere als Literat.

Erst mit der Sendung "Das Literarische Quartett" im ZDF erlangte er einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland. Außerdem war Reich-Ranicki Gastprofessor an unzähligen Universitäten und 2010 wurde in Marburg eine "Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki für Literaturkritik in Deutschland" eröffnet, wo man sich unter anderem mit von ihm gesammelten Zeitungsartikeln und dem Überlass seiner privaten Bibliothek beschäftigt.

Im März diesen Jahres gab er bekannt, an Prostata-Krebs erkrankt zu sein. Seine Frau konnte ihm da nicht mehr zur Seite stehen - sie verstarb 2011. Marcel Reich-Ranicki hinterlässt einen 65-jährigen Sohn.


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