Psychologe glaubt: Marius Borg Høiby fehlt es an Selbstwert
Im Amtsgericht von Oslo steht seit mehreren Wochen Marius Borg Høiby (29) im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Strafprozesses. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) muss sich wegen 38 Anklagepunkten verantworten, darunter vier besonders schwerwiegende Vorwürfe der Vergewaltigung. Laut Anklage soll Marius zudem mehrfach Frauen gefilmt haben, während sie schliefen oder stark alkoholisiert waren. Dabei machte er mit seinem Handy intime Aufnahmen ihrer Geschlechtsteile – ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung. Ermittler fanden auf seinem Mobiltelefon zahlreiche entsprechende Video- und Fotoaufnahmen. Mehrere Betroffene berichteten vor Gericht, sie hätten erst im Nachhinein von der Existenz der Clips erfahren. Während die juristische Aufarbeitung weiterläuft, rückt nun auch die psychologische Seite des Falls in den Fokus. Der Psychologe Dr. Thomas Fuchs nennt gegenüber Bild mögliche Erklärungen für Marius’ Taten.
Thomas Fuchs sieht in Marius’ Fall Hinweise auf innere Konflikte. Er spricht von einem Mann, bei dem vieles auf ein geringes Selbstwertgefühl hindeutet. "Dass bei ihm ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl vorliegt, erscheint naheliegend. Dies könnte auch das nach außen hin arrogant wirkende Auftreten erklären", erläutert der Experte. Hinter der demonstrativen Souveränität könne sich in Wahrheit große Unsicherheit verbergen. Fuchs nennt außerdem eine "eingeschränkte Impulskontrolle" als mögliches Problemfeld und verweist auf familiäre Belastungen: Sowohl Marius’ leiblicher Vater Morten Borg als auch seine Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, haben eine Drogenvergangenheit. Sein Vater wurde Anfang der 90er-Jahre wegen Kokainbesitzes verhaftet. Im Leben von Marius selbst sollen über Jahre hinweg Kokain, Ketamin und Alkohol eine große Rolle gespielt haben. Der Psychologe spricht von einer "polytoxischen Problematik", also dem gleichzeitigen Konsum verschiedener Substanzen, die Hemmschwellen senken und die Fähigkeit zur Handlungsplanung beeinträchtigen können.
Der Psychologe betont, er wolle das mutmaßliche Filmen der Frauen nicht rechtfertigen, sondern er versuche lediglich, mögliche Motive zu skizzieren. Aus der subjektiven Perspektive des Angeklagten könnten die Aufnahmen etwa als eine Art Absicherung gedient haben, als potenzielles Druckmittel gegen die Frauen, zur sexuellen Stimulation oder als Ausdruck eines starken Bedürfnisses nach Kontrolle und Machtausübung. Das Festhalten von Situationen könne manchen Menschen das Gefühl geben, sie beherrschbar und verfügbar zu machen. Die strafrechtliche Bewertung liege allein beim Gericht, betont Thomas Fuchs. Er hält neben einer strafrechtlichen Konsequenz jedoch eine mögliche Resozialisierung für wichtig – Voraussetzung dafür sei aus seiner Sicht allerdings, dass der Angeklagte Einsicht zeigt. Marius bestreitet die Vergewaltigungsvorwürfe weiterhin. Zudem musste eine geplante erneute Aussage im Zeugenstand verschoben werden, weil der Norweger laut seinem Verteidiger zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen sei, sich ausführlich zu äußern. Seine nächste Aussage wird mit Spannung erwartet.






