Die brutale Geschichte hinter Netflix' Drama "The Witness"
Netflix liefert wieder True-Crime-Nachschub. Bei der Serie "The Witness" handelt es sich in erster Linie um ein Familiendrama, doch dahinter steckt eine tragische, reale Geschichte. 1992 wird die junge Britin tödlich verletzt im Park Wimbledon Common aufgefunden. Ein Unbekannter überfiel sie, nötigte sie sexuell und stach mehrmals auf sie ein – sie überlebt den Angriff nicht und stirbt noch am Tatort. Einziger Zeuge der Tat ist Rachels kleiner Sohn Alex, der gerade mal zwei Jahre alt ist. Die Ermittlungen übernimmt Scotland Yard und bald gibt es einen Verdächtigen. Doch weil es den Polizisten an handfesten Beweisen fehlt, greifen sie zu einer Taktik, die daraufhin als hoch kontrovers eingestuft wird. Eine Ermittlerin sollte sich undercover mit dem Hauptverdächtigen Colin Stagg anfreunden und so ein Geständnis erzwingen. Dieses galt später vor Gericht als unzulässig und wurde als manipulative Beweismittelerhebung gewertet. Stagg wurde später freigesprochen.
Anfang der 2000er-Jahre kam wieder Bewegung in den Fall. Dank modernisierter DNA-Analysen können die Ermittler den wahren Täter finden. Es handelt sich um Robert Napper, einen bereits bekannten Sexualstraftäter, der an einer diagnostizierten paranoiden Schizophrenie leidet. Dieser wurde 2007 angeklagt, plädierte allerdings auf nicht schuldig. Im Dezember 2008 fällte das Gericht ein Urteil und Napper wurde mit verminderter Schuldfähigkeit schuldig gesprochen. Der Fall Rachel Nickell wurde weltweit diskutiert – nicht nur aufgrund der unfassbaren Brutalität, mit der die junge Frau sterben musste, sondern auch wegen des Versagens der Justiz. Wie sich später herausstellte, kosteten die Ermittlungen gegen Colin Stagg die Behörden über drei Millionen Euro – der Fall ging als Paradebeispiel für polizeiliches Versagen in die Kriminalgeschichte ein.
"The Witness" greift aber nicht nur die Umstände und Ermittlungen des Mordfalls auf, sondern beschäftigt sich vor allem mit dem Leid der Hinterbliebenen. Im Zentrum der Handlung stehen der kleine Alex (Max Fincham/Jahsaiah Williams) und sein Vater André Hanscombe (Jordan Bolger). Als plötzlich alleinerziehender Vater stellt André seine eigene Trauer hintenan und den Schutz seines traumatisierten Sohnes in den Vordergrund. Während das Interesse der Medien an Rachels (Eleanor Williams) Tod immer größer wird und die Ermittler um Beweise kämpfen, versucht André alles, um seinem Kind bei der Traumaverarbeitung zu helfen. Neben "The Witness" arbeitet auch die Netflix-Doku "The Murder of Rachel Nickell" den Fall auf.







