Sylvester Stallone glaubt, heute in Hollywood zu scheitern
Ein Actionheld der alten Schule wäre in der Filmwelt von heute womöglich fehl am Platz, zumindest sieht Sylvester Stallone (80) das so. Bei einem Auftritt im New Yorker Kulturzentrum 92NY sprach der Schauspieler mit Tracy Smith von "CBS Sunday Morning" über die Frage, ob er einen vergleichbaren Erfolg wie vor knapp fünf Jahrzehnten wiederholen könnte. Seine Antwort fiel eindeutig aus: "Nein. Es herrscht eine völlig andere Denkweise. Die Schauspieler sehen anders aus, sie spielen anders. Mit den Themen könnte ich nichts anfangen. Nein, ich wäre in Schwierigkeiten." Der Mann, der als "Rocky" berühmt wurde, sieht die Branche also grundlegend gewandelt. Als Beispiel führte Sylvester den Klassiker "Der Pate" von 1972 an. Er bezweifelte, dass sich dieser Film unter den heutigen Voraussetzungen noch überzeugend besetzen ließe. Für ihn zeigt das, wie weit sich Hollywood von seinen Wurzeln entfernt hat.
Und was wäre aus Sylvester geworden, wenn sein großer Wurf ausgeblieben wäre? Auch darüber machte er sich im Gespräch Gedanken. Ein Misserfolg von "Rocky" im Jahr 1976 hätte sein Leben demnach in völlig andere Bahnen gelenkt. Gegenüber "CBS Sunday Morning" erklärte er: "Ich wäre irgendwo in einer Zelle gelandet. Oder in der Tierhaltung mit Pferden und anderen Tieren. Ich war ungefähr so intelligent wie ein Pferd. Ich wollte ein Pferdemensch werden, ich hatte einen Draht zu den Tieren." So kam es nicht. Der Boxerfilm, für den er das Drehbuch schrieb und vor der Kamera die Hauptrolle übernahm, avancierte zum Welterfolg mit Einnahmen von mehr als 225 Millionen Dollar (197 Millionen Euro). Bei den Oscars wurde er von der Academy als bester Film ausgezeichnet, und Sylvester selbst wurde als Hauptdarsteller sowie als Drehbuchautor nominiert. Aus dem Hit wurde eine langlebige Filmreihe, die ihn zu einem der größten Actionstars Hollywoods machte.
Hollywood hat Sylvester nicht nur im übertragenen Sinn den Rücken gekehrt. Mit seiner Familie zog er von Los Angeles nach Florida, weil der Bundesstaat besser zu seinem Wesen passe. Verheiratet ist er seit Mai 1997 mit Jennifer Flavin (58), das Paar hat die Töchter Sophia, Sistine und Scarlet. Als Jennifer 2022 die Scheidung einreichte, fanden die beiden schon einen Monat später wieder zusammen. Nach dem Murphyschen Gesetz geht er im Hotel mit seiner Frau den Weg zum Notausgang ab und zählt die Schritte, um ihn auch bei einem Stromausfall zu finden. Am 29. September erschien seine Autobiografie "The Steps". Nach dem wichtigsten Schritt seines Lebens gefragt, sagte er: "Es ist wirklich dieser erste Schritt. Wenn man sagt: 'Ich setze alles darauf, und ich werde diese Stufen weiter hinaufsteigen, bis meine Beine nicht mehr können.' Das ist die Reise des Lebens."


























