Sohn hat ADHS: Annika Lau hatte Gefühl, "versagt zu haben"
Annika Lau (47) spricht offen über die Herausforderungen in ihrer Familie. Bei ihrem heute zehnjährigen Sohn Baz wurde im Alter von sechs Jahren ADHS festgestellt. In ihrem Buch "Ihr Kind ist anders", das am 7. Oktober erscheint, lässt die Moderatorin die vergangenen sechs Jahre Revue passieren. Auf 220 Seiten geht es um den Alltag zwischen Kita, Arztterminen und Schule – und um die Belastungen, die das Familienleben in Berlin mit sich brachte. Wie sehr sie diese Zeit gefordert hat, verriet sie nun gegenüber Bild: "Diese Diagnose verlangt einem alles ab! Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage: Ich muss mindestens 150 Prozent Mutter sein. Denn alles stellt eine Belastung dar. Unverständnis der Spontanität gegenüber. Und das kann schon ein ausgefallener Bus sein, der Baz verunsichert und den Tag verdirbt." Neben Annika und Baz gehören auch ihr Ehemann Frederick Lau (37) sowie zwei weitere Kinder im Alter von zwölf und sechs Jahren zur Familie. Da Frederick für Dreharbeiten häufig wochenlang unterwegs ist, liegt die Verantwortung für den Familienalltag größtenteils bei der dreifachen Mutter.
Der erste einschneidende Moment ereignete sich, als Baz drei Jahre alt war. Bei einem Entwicklungsgespräch in der Berliner Kita sagte eine Erzieherin über den Jungen: "Ihr Kind ist anders." Bis zu diesem Zeitpunkt war Annika davon ausgegangen, dass ihr Sohn im Vergleich zu seiner älteren Schwester Lilo einfach wilder und lauter sei. In ihrem Buch, aus dem die Zeitung zitiert, erinnert sie sich an diesen Tag: "Wenn ich heute an dieses Gespräch denke, erinnere ich mich daran, dass ich sofort das Gefühl hatte, versagt zu haben. Alles falsch gemacht zu haben. Baz nicht richtig erzogen zu haben." Daraufhin folgten Jahre voller Arztbesuche, Untersuchungen und Wartelisten, ehe eine Therapeutin kurz vor der Einschulung schließlich die Diagnose ADHS stellte. Während Frederick gelassen reagierte, zeigte sich die Moderatorin zunächst völlig entgeistert. Bereits nach zwei Schulwochen stand das erste Krisengespräch an: Baz stand im Unterricht auf, aß, redete dazwischen und warf seine Beruhigungsbälle durch den Raum.
Nach ersten Hilfsmaßnahmen wie Kopfhörern und Rückzugsmöglichkeiten empfahl die Lehrerin Medikamente. Später folgten Schulkonferenzen, Beschwerden und sogar der für Annika unvorstellbare Vorschlag, Baz stationär in einer Klinik unterzubringen. Zusätzlich zehrte das Schlafverhalten ihres Sohnes an ihren Kräften: Nur wenige Nächte schlief er durch, abends diskutierte er über Zähneputzen, Schlafanzug und das Einschlafen, Stille hielt er kaum aus und im Dunkeln hatte er Angst. Oft lag die Moderatorin länger als eine Stunde neben ihm und weinte dabei leise, während Haushalt, Partnerschaft und die Geschwister warten mussten. "Dieses ständige Auf-der-Hut-Sein vor einem neuen Desaster macht viel mit einem Menschen. Einerseits bin ich an manchen Tagen zu Tode erschöpft, weil ich ständig gefordert bin zu handeln. Mich nie zurücklehnen darf", erklärte sie gegenüber Bild. Durch die zahlreichen Krisen sei sie allerdings auch gelassener geworden. Inzwischen nähert sich die Familie Schritt für Schritt wieder einem normalen Alltag an. "Aber er schafft mit Liebe, Ruhe und Struktur alles! Ich glaube an ihn", betonte Annika.
























