Statt Haakon: Sein Cousin hätte Norwegens König sein können
Unter anderen Voraussetzungen hätte heute womöglich ein ganz anderer Haakon auf dem norwegischen Thron gesessen. Haakon Lorentzen ist ein Cousin von König Haakon VIII. (53) und als ältester Sohn von Prinzessin Ragnhild ein Enkel von König Olav V.. Wäre die norwegische Krone schon in der Generation seiner Mutter unabhängig vom Geschlecht an das älteste Kind weitergegeben worden, hätte sich die Geschichte des Königshauses ganz anders entwickelt. Ragnhild war 1930 als erstes Kind des späteren Königs Olav V. zur Welt gekommen. Nach dessen Tod 1991 wäre sie in diesem Fall Königin geworden – und ihr 1954 geborener Sohn Haakon> hätte als Kronprinz bereitgestanden. Nach Ragnhilds Tod im Jahr 2012 wäre die Krone schließlich an ihn gefallen. Tatsächlich kam es jedoch anders: Für ihre Generation galt weiterhin die männliche Thronfolge, sodass Ragnhild hinter ihrem jüngeren Bruder Harald (†89) stand.
Erst 1990 wurde die norwegische Verfassung so geändert, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleichberechtigt den Thron erben können. Für bereits ältere Generationen griff die Reform allerdings nicht vollständig. Wer vor 1971 geboren wurde, fällt weiterhin unter die frühere Regelung. Bei den Jahrgängen zwischen 1971 und 1989 haben Männer zudem noch Vorrang vor ihren Schwestern. Das betrifft beispielsweise auch Prinzessin Märtha Louise (55): Obwohl sie 1971 und damit zwei Jahre vor ihrem Bruder geboren wurde, stand Haakon Magnus in der Thronfolge vor ihr. Nach dem Tod von König Harald V. am 28. August 2026 bestieg er schließlich als König Haakon VIII. den norwegischen Thron.
Hätte das heutige Prinzip dagegen schon für Ragnhild und ihre Geschwister gegolten, wäre nicht nur ihr eigener Lebensweg ein völlig anderer gewesen. Auch Haakon Lorentzens ältester Sohn Olav Alexander, der 1985 in Rio de Janeiro geboren wurde, hätte in dieser alternativen Thronfolge eine zentrale Rolle gespielt. Nach seinem Vater wäre er der nächste Anwärter auf die Krone gewesen. Stattdessen wuchs die Familie größtenteils fernab des norwegischen Hofes in Brasilien auf.
Haakon Lorentzen selbst verbrachte seine Kindheit überwiegend in Brasilien, blieb seiner königlichen Familie in Norwegen aber verbunden. Seine Ferien soll er regelmäßig bei seinem Großvater Olav V. verbracht haben, unter anderem im Königlichen Schloss, auf Skaugum und im Kongsseteren. Seit 1982 ist er mit der Brasilianerin Martha Carvalho de Freitas verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder: Olav Alexander, Christian Frederik und Sophia Anne. Beruflich schlug Haakon einen ganz anderen Weg als seine königlichen Verwandten ein. Er übernahm später Verantwortung für die Familienunternehmen und verwaltet einen Teil des Vermögens, das sein Vater Erling Lorentzen aufgebaut hatte. Schätzungen zufolge beläuft sich sein Vermögen auf mehrere Milliarden norwegische Kronen.
Ganz aus dem Umfeld der Royals verschwunden ist Haakon Lorentzen dennoch nicht. Erst im September nahm er gemeinsam mit seiner Frau an der Beerdigung seiner Tante Prinzessin Astrid (†94) in Oslo teil. Sein Cousin führt inzwischen als König Haakon VIII. die norwegische Monarchie und übernahm dabei den traditionellen Wahlspruch "Alles für Norwegen". Haakon Lorentzen dagegen blieb Unternehmer und Familienvater in Brasilien – obwohl die norwegische Geschichte unter anderen Regeln durchaus einen König Haakon aus einem ganz anderen Familienzweig hätte hervorbringen können.


























