Ein Leben als Pippi: Was Inger Nilsson durchmachte
Mit roten Zöpfen, Sommersprossen und einem Pferd auf der Veranda wurde sie zur Ikone mehrerer Generationen: Inger Nilsson (67) feierte am 4. Mai 2026 ihren 67. Geburtstag. Mit gerade einmal acht Jahren setzte sich Inger gegen mehr als 8.000 Bewerberinnen durch und übernahm 1968 in Schweden die Rolle der Pippi Langstrumpf. Doch während sie vor der Kamera das unbeschwerte, starke Mädchen verkörperte, sah ihr Alltag hinter den Kulissen ganz anders aus. Das schüchterne Kind fühlte sich am Set häufig allein und überfordert. Das Heimweh machte ihr schwer zu schaffen, weshalb sie immer wieder bei ihren Eltern anrief. Während ihre jungen Kollegen Pär Sundberg (68) als Tommy und Maria Persson (67) als Annika die Drehpausen genossen und etwa am Strand spielten, blieb sie häufig allein im Hotel. Pär schilderte ihre damalige Verfassung später im SZ-Magazin so: "Sie war sehr unsicher und schüchtern. Manchmal hatte sie regelmäßig Nervenzusammenbrüche: Wenn ihr etwas nicht passte, fing sie zu weinen an und versteckte sich in irgendeiner Ecke."
Auch abseits der Dreharbeiten hatte der enorme Erfolg seinen Preis. Fans und Fotografen belagerten das Elternhaus der Familie im schwedischen Kisa – schon als Kind verlor die Darstellerin dadurch ein großes Stück Privatsphäre. Finanziell profitierte sie vom weltweiten Pippi-Boom kaum: Während die erwachsenen Schauspieler langfristige Verträge inklusive Tantiemen gehabt haben sollen, bekamen die Kinderdarsteller angeblich nur eine einmalige Gage von rund 2.000 Euro pro Rolle, wie TZ berichtet. Nach dem Ende der Filmreihe 1970 wurde Inger Nilsson ihre Bekanntheit als Pippi Langstrumpf zum Hindernis: Die enge Verbindung zu der Kultfigur erschwerte es ihr, andere Rollen zu bekommen. Um sich über Wasser zu halten, arbeitete sie unter anderem als medizinische Sekretärin und übernahm nebenbei kleinere Engagements an Theatern und in regionalen Produktionen. Wie sehr sie darum rang, als eigenständiger Mensch gesehen zu werden, machte sie 2015 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur deutlich: "Weil ich immer dafür kämpfen musste, Inger zu sein. Das ist der große Kampf meines Lebens. Jedem zu erklären, dass ich vor allem Inger bin."
Ihre damalige Filmpartnerin Maria hatte sich ursprünglich ebenfalls um die Hauptrolle beworben, wurde am Ende aber als vorsichtige Annika besetzt. Nach den "Pippi Langstrumpf"-Dreharbeiten entschied sie sich gegen eine weitere Filmkarriere und lebte später mit ihrem Sohn auf Mallorca. Inger hingegen blieb der Schauspielerei treu und bekam 2007 eine neue große Chance: In "Der Kommissar und das Meer" spielte sie bis 2021 in 29 Folgen die Gerichtsmedizinerin Ewa Svensson. Mit ihrer berühmtesten Rolle hat sie inzwischen ihren Frieden geschlossen. "Heute finde ich es richtig toll, dabei gewesen zu sein", erklärte sie dem NDR. Zu Beginn habe Inger nicht ahnen können, welchen weltweiten Erfolg die Filme einmal haben würden. Als am 8. März 2002 in Stockholm der Trauergottesdienst für Astrid Lindgren (†94) stattfand, nahm die Schauspielerin unter Tränen öffentlich Abschied von der Schriftstellerin, deren berühmte Figur ihr Leben nachhaltig verändert hatte.





























