Mehr als zwei Jahre nach der ersten Festnahme von Marius Borg Høiby (29) im August 2024 bleibt eine entscheidende Frage offen: Wer hat den norwegischen Königshof vorab gewarnt? Die norwegische Sonderermittlungsbehörde hat jetzt ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Den Informationsweg konnte sie nicht nachvollziehen. Zwar hatte ein Mitarbeiter des Polizeisicherheitsdienstes PST den Kommunikationschef des Hofes wegen des Gewaltvorwurfs gegen Marius kontaktiert. Laut den Ermittlern wusste der PST-Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt aber selbst noch nichts von einer geplanten Festnahme. Besonders brisant ist deshalb das offenbar frühe Wissen der Königsfamilie: Kronprinzessin Mette-Marit (53) soll ihren Sohn zu dem mit der Polizei vereinbarten Treffpunkt an der Jansløkka-Schule in Asker gefahren haben. Dort wurde Marius schließlich festgenommen. Die Ermittler konnten allerdings nicht feststellen, auf welchem Weg der Hof oder die damalige Kronprinzenfamilie von der möglichen Festnahme erfahren hatte.
Auslöser des Einsatzes war der Vorwurf, Marius sei gegenüber einer früheren Freundin gewalttätig geworden. Ende Oktober 2024 berichteten VG und Aftenposten, seine Familie habe etwa eine halbe Stunde vorher davon erfahren. Norwegischen Medienberichten zufolge soll Mette-Marit außerdem sein Haus nahe dem königlichen Anwesen Skaugum aufgeräumt haben, während ihr Sohn unter der Dusche stand. Dadurch entstand der Eindruck, die Familie habe sich auf den Einsatz vorbereiten können. Die Aussagen der Beteiligten passen nicht zusammen. "Im Austausch mit dem Hof wurden Informationen über den Vorfall weitergegeben; der PST machte jedoch keine Angaben zu einer möglichen Festnahme", erklärte PST-Kommunikationschef Trond Hugubakken 2024. Die damalige Kommunikationschefin des Königshofs, Guri Varpe, sagte dagegen: "Die Polizei benachrichtigte den Hof, und der Hof informierte daraufhin den Kronprinzen und die Kronprinzessin über einen Vorfall, in den Marius Borg Høiby verwickelt war, sowie über eine mögliche Festnahme." Hinweise auf eine weitere Vorabinformation durch Polizeibedienstete fanden die Sonderermittler nicht. Das Verfahren wurde eingestellt, da kein strafbarer Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht nachweisbar war.
Über den Fall oder die bevorstehende Festnahme waren neben dem Hof auch das Justiz- und Sicherheitsministerium, das Büro von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, die königliche Leibwache, die Nationale Polizeidirektion und mehrere Ministerien informiert. Vor dem Einsatz gab es außerdem Kontakt zwischen dem Justizministerium und dem Königshof. Dieser Austausch wurde aber nicht genauer geprüft. Die Sonderermittlungsbehörde ist nämlich nur für das dienstliche Handeln der Polizei zuständig. Das Ministerium bestreitet, den Hof gewarnt zu haben. "Wie der Sonderermittlungsbehörde mitgeteilt wurde – und wie diese auch bestätigt hat –, stand das Ministerium zwar in Kontakt mit dem Königshof, hat diesen jedoch nicht über die Festnahme informiert; ebenso wenig wurden andere externe Parteien unterrichtet", erklärte Raheela Chaudhry gegenüber VG. Die strafrechtliche Prüfung ist damit abgeschlossen. Der vollständige Informationsweg durch Behörden, Regierung und Königshaus bleibt dennoch unklar. Weiterhin unbeantwortet ist vor allem, von wem Mette-Marit und die damalige Kronprinzenfamilie von der möglichen Festnahme erfuhren.

























