Was kaum jemand weiß: Königin Sofia (88) wäre beinahe selbst bei den Olympischen Spielen angetreten. 1960 bereitete sich die damalige griechische Prinzessin gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder, Kronprinz Konstantin, auf die Segelwettbewerbe der Sommerspiele in Rom vor. Sofia war damals gerade einmal 21 Jahre alt. Doch ein Unfall beim Training machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Noch vor Beginn der Spiele gab sie ihren festen Platz im Team auf und reiste stattdessen als Ersatzfrau mit der griechischen Mannschaft nach Italien. In der Bucht von Neapel erlebte sie mit, wie ihr Bruder Konstantin (†82) in der Drachenklasse die Goldmedaille gewann. Sofia selbst ging allerdings leer aus, da sie bei keinem der Wettkämpfe zum Einsatz kam. In Erinnerung blieb ihr dieses besondere Erlebnis trotzdem. Gegenüber der Nachrichtenagentur EFE erzählte sie später: "Ich vergesse immer, dass ich auch in Rom dabei war, aber als Olympionikin, denn ich gehörte zur Ersatzmannschaft Griechenlands im Segeln, wo mein Bruder Konstantin Gold gewann. Vor den Spielen segelte ich bei den Trainings mit ihm."
Für ihren großen Olympiatraum hatten die Geschwister monatelang hart trainiert. Wenn keine offiziellen Termine auf dem Programm standen, mussten die beiden schon um fünf Uhr morgens aufstehen. Anschließend verbrachten sie den ganzen Vormittag auf dem Wasser und trainierten mit der Nereus. Das Segelboot hatte Konstantin zu seiner Volljährigkeit von der griechischen Marine geschenkt bekommen. Doch im Februar 1960 kam es bei den Vorbereitungen nahe Genua zu einem gefährlichen Zwischenfall: Die Nereus kenterte. Sofia bekam einen Schlag gegen den Kopf und fiel mit ihrer gesamten Kleidung ins eiskalte Wasser. Ihr Pullover und ihr Anorak saugten sich voll, sodass sie sich kaum noch bewegen konnte. Konstantin und der Marineoffizier Odiseas Eskitzoglou sprangen sofort hinterher und retteten die Prinzessin. Nach einer weiteren Regatta in Neapel fasste Sofia im Mai schließlich einen schweren Entschluss: Sie verzichtete auf ihren Platz in der Stammbesatzung. Zu groß war ihre Sorge, dass sich bei Olympia ein ähnlicher Unfall wiederholen und sie damit die Siegchancen ihres Bruders gefährden könnte.
Sofia und Konstantin standen sich schon als Kinder besonders nahe. Ihre jüngere Schwester, Prinzessin Irene, beschrieb die beiden in Pilar Urbanos Buch "La Reina" sogar als unzertrennlich. Auch beim Segeln hielten die Geschwister fest zusammen. Für ihren Bruder habe Sofia alles gegeben und sogar das frühe Aufstehen in Kauf genommen. Als Konstantin in Neapel schließlich um die Goldmedaille segelte, verfolgten Sofia und Irene das Rennen gespannt durch ihre Ferngläser. Als sein Sieg feststand, konnten die Schwestern ihre Tränen nicht zurückhalten. Auch ihre Eltern fielen sich überglücklich in die Arme. Zurück an Land wurde der frischgebackene Olympiasieger gebührend gefeiert. Sofia schnappte sich sogar einen Wasserschlauch und spritzte die Crew damit nass. Besonders emotional wurde es für sie aber bei der Siegerehrung. Als im stillen Stadion die griechische Nationalhymne erklang und Konstantin mit seiner Goldmedaille auf dem Podest stand, war das für die Prinzessin ein unvergesslicher Moment. Ihre Begeisterung für Olympia hat Sofia bis heute nicht verloren. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking verriet sie gegenüber EFE, dass sie besonders gern Wettkämpfe besuche, sich die Sportstätten anschaue und die spanischen Athleten anfeuere.





























