Mitte Mai findet in Tel Aviv der 64. Eurovision Song Contest statt. In vielen Ländern laufen derzeit die Vorentscheide. Einige Kandidaten stehen bereits fest. Doch ein Land sorgt jetzt für einen Eklat: die Ukraine. Gerade das Land, das bisher als einer der großen Abräumer beim ESC galt. Die angekündigte Sängerin Maruv stand bereits mit einer erotischen Zofen-Nummer in den Startlöchern. Jetzt wurde ihre Teilnahme jedoch abgesagt. Der Grund: Die Popsängerin verdient auch in Russland Geld mit ihren Konzerten – und das sorgte für Ärger.

Der Ukrainische Rundfunk (NSTU) hatte als offiziellen Grund für die Absage offiziell eine "übermäßige Politisierung des nationalen Auswahlverfahrens" angegeben, teilte die Europäische Rundfunkunion in Genf mit. Man verwies dabei auf ein "systemisches Problem mit der Musikindustrie in der Ukraine", dieses liege in der "Verbindung von Künstlern mit einem Aggressorenstaat, mit dem wir uns im fünften Jahr des militärischen Konflikts befinden." Also Russland.

Schließlich herrscht zwischen beiden Ländern Krieg. In der Ostukraine sind zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten bereits mehrere tausende Menschen gestorben. Weil die Kontakte zu Russland bei einigen Empörung auslösen, habe man sich entschieden, sich vom ESC 2019 zurückzuziehen.

Maruv, die mit bürgerlichem Namen Hanna Korsun heißt, hatte vor der Entscheidung gesagt: "Ich bin Bürgerin der Ukraine, zahle Steuern und liebe die Ukraine aufrichtig. Aber ich bin nicht bereit, mit Losungen aufzutreten, die meine Teilnahme beim Wettbewerb in eine Promo-Aktion unserer Politiker verwandeln." Auch die Zweit- und Drittplatzierten lehnten es ab, für Maruv nachzurücken, die am vergangenen Samstag bei einem Zuschauerentscheid gewonnen hatte. Wie die künstlerischen Beziehungen mit Russland künftig geregelt werden sollen, wird nun in einem Gesetzesentwurf in der Ukraine diskutiert.

Die European Broadcasting Union, die den ESC überwacht, reagierte mit "Traurigkeit" auf diesen Eklat. 2017 hatte bereits Russland beim Song Contest in der Ukraine gefehlt. Damals hatte die Ukraine der russischen Kandidatin Julia Samoilowa die Einreise verweigert, weil sie 2015 ein Konzert auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel gegeben hatte. Dieses Jahr geht Russland mit Sänger Sergey Lazarev an den Start, der 2016 bereits den zweiten Platz belegt hatte. Er tritt unter anderem gegen S!sters an, die für Deutschland ins Rennen gehen.

Sängerin MaruvActionPress
Sängerin Maruv
Sergey Lazarev beim ESC 2016Getty Images
Sergey Lazarev beim ESC 2016
S!sters bei "Unser Lied für Israel"Gina Wetzler/Getty Images
S!sters bei "Unser Lied für Israel"
S!sters während ihrer Performance bei "Unser Lied fuer Israel"Getty Images
S!sters während ihrer Performance bei "Unser Lied fuer Israel"
Könnt ihr den Entschluss nachvollziehen?413 Stimmen
100
Ja, bei so einer schwierigen politischen Situation ist so eine Kandidatin nicht tragbar
313
Nein, man sollte Politik und Musik trennen


Tipps für Promiflash? Einfach E-Mail an: tipps@promiflash.de