Netflix-Doku wirft Tyra Banks Manipulation und Quälerei vor
Jahrelang galt America's next Topmodel als Traumfabrik für aufstrebende Models. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität erreichte das Format eine globale Reichweite von über 100 Millionen Menschen. Doch hinter den glänzenden Laufsteg-Momenten verbarg sich offenbar eine Maschinerie, die auf Kosten der Teilnehmerinnen lief. Die Netflix-Dokumentation "Reality Check: Inside America's Next Top Model" nimmt genau diese Maschinerie auseinander – und stellt die Frau ins Zentrum der Kritik, die das Format über mehr als zwei Jahrzehnte prägte: Tyra Banks (52). Bemerkenswert ist dabei, dass die Supermodel-Ikone selbst zu Wort kommt – und dabei in eine Reihe von Widersprüchen gerät.
Tyra räumte in einem Trailer offen ein: "Ich wusste, dass ich zu weit gegangen bin. Es war sehr, sehr intensiv. Aber ihr habt es verlangt. Also haben wir immer weiter und weiter gedrückt." Die konkreten Vorwürfe der ehemaligen Teilnehmerinnen sind erschütternd. Keenyah Hill schildert, wie sie während eines Fotoshootings sexuelle Belästigung gemeldet habe und von Tyra schlicht ignoriert worden sei. Statt Schutz habe es den Rat gegeben, das Problem auf eine "lustige Art" anzusprechen, die keine Spannung erzeugt. Dani Evans, Gewinnerin der sechsten Staffel, sei unter Druck gesetzt worden, die charakteristische Lücke zwischen ihren Zähnen operativ schließen zu lassen – obwohl sie das nicht wollte. Besonders zynisch: Wenige Staffeln später ermutigte Tyra eine Kandidatin ausdrücklich dazu, ihre eigene Zahnlücke zu vergrößern. Der frühere Kreativdirektor Jay Manuel, der selbst jahrelang Teil des Formats war, brachte es in der Doku laut The Independent auf den Punkt: "Ich erkannte, dass Tyra für den Erfolg ihrer Show alles tun konnte."
Einerseits betonte Tyra stets, mit der Show Diversität in die Modewelt bringen zu wollen – ein Anspruch, der in einer Zeit entstand, in der die Branche fast ausschließlich dünne, weiße Models feierte. Andererseits versteckte sie sich hinter Quoten, Agenten oder Branchenstandards, wenn es darum ging, konkrete Fehlentscheidungen zu benennen. NPR-Kritikerin Aisha Harris beschrieb diesen Widerspruch treffend: Tyra habe sich als rebellische Reformerin inszeniert, wenn es ihrer Legendenbildung nützte – und hinter "Industriestandards" versteckt, wenn es ihr nicht passte. Schon 2020 hatte Tyra auf wachsende Kritik in sozialen Netzwerken reagiert und sich für "wirklich schlechte Entscheidungen" entschuldigt. Doch selbst in der Dokumentation klingt die Reue bruchstückhaft. Auf dem ESSENCE Black Women in Hollywood Award 2025 sagte sie: "Haben wir es richtig gemacht? Zur Hölle, nein. Ich habe dummes Zeug gesagt. Aber ich weigere mich, mein Vermächtnis auf einige im Internet miteinander verknüpfte Dinge zu reduzieren, wenn es 24 Staffeln gab, in denen die Welt verändert wurde."
Die ehemalige Gewinnerin Lisa D'Amato (44) bezeichnete "America's Next Top Model" gegenüber der Daily Mail als "psychologische Kriegsführung" und berichtete, die Kandidatinnen seien bewusst manipuliert und "gequält" worden, wenn sie nicht gehorchten. Ein besonders verstörendes Beispiel: "Sie ließen dich nicht auf die Toilette gehen, wenn du musstest." Nun plant auch Supermodel-Pionierin Janice Dickinson (71), die ebenfalls als Jurorin in der Show tätig war, ihre eigene Enthüllungsdokumentation zusammen mit ehemaligen Kandidatinnen. Das Projekt soll im März erscheinen und verspricht weitere brisante Einblicke hinter die Kulissen der kontroversen Castingshow.











