Harald Krassnitzer reflektiert Demenz seiner Mutter (†95)

Harald Krassnitzer reflektiert Demenz seiner Mutter (†95)

- Julia Geißenhöner
Lesezeit: 2 min

Harald Krassnitzer (65) öffnet sein Herz und spricht über eine besonders schmerzhafte Phase in seinem Leben. Der Schauspieler, der im neuen Kinofilm "Der verlorene Mann" einen an Demenz erkrankten Mann verkörpert, hat die Krankheit auch privat aus nächster Nähe erlebt. Wie er jetzt im Gespräch mit Bunte erzählt, ist seine Mutter im Alter von 95 Jahren an Demenz gestorben. In den letzten Monaten ihres Lebens habe sich vieles verändert – bis zu dem Moment, in dem sie ihren eigenen Sohn nicht mehr erkannte und die vertrauten Worte plötzlich nicht mehr zu ihr durchdrangen. Gerade diese Erfahrung habe ihn tief erschüttert und zugleich dazu gebracht, sein Verständnis von Nähe und Liebe neu zu denken.

Harald erinnert sich im Interview an eine Situation, in der er sich seiner Mutter hilflos gegenüber fühlte. Er habe immer versucht, etwas zu tun, eine Lösung zu finden, wie er es beschreibt. Doch seine Schwester habe einen ganz anderen Weg gewählt. Sie setzte sich wortlos an das Bett der Mutter, legte ihre Hand auf ihren Rücken und strich eine halbe Stunde lang sanft darüber. "Einfach so. Ruhe. Atmen. Streicheln", schildert Harald die Szene bei Bunte. Am Ende dieser stillen halben Stunde habe die Mutter zu seiner Schwester hinübergesehen und ihr nur kurz zugenickt. Für den Schauspieler wurde genau dieser leise Moment zu einem Wendepunkt: In diesem Blick habe er begriffen, was echte Zuwendung bedeuten kann, auch wenn kaum noch Worte möglich sind.

Für Harald, der vielen Fernsehzuschauern vor allem als "Tatort"-Ermittler vertraut ist, hat die Krankheit seiner Mutter den Alltag über Jahre geprägt. Schon früher hatte er erzählt, wie intensiv die gemeinsame Zeit zum Schluss geworden war und wie sehr er zwischen Beruf und Besuchen bei ihr pendelte. Die Demenz habe die Beziehung zu seiner Mutter verändert, aber auch neue Formen von Verbundenheit entstehen lassen. Während er vor der Kamera nun einen Demenzkranken spielt, trägt er die Erfahrungen mit der echten Erkrankung in seiner eigenen Familie weiter in sich – als Erinnerung an die letzte Lebensphase seiner Mutter, in der Nähe oft leiser war als jedes Gespräch, aber für ihn umso deutlicher spürbar blieb.

Harald Krassnitzer bei der Premiere von "Der verlorene Mann" im City Kino München
Imago
Harald Krassnitzer bei der Premiere von "Der verlorene Mann" im City Kino München
Harald Krassnitzer zu Gast in der NDR Talk Show in Hamburg-Lokstedt am 1.11.2024
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Harald Krassnitzer zu Gast in der NDR Talk Show in Hamburg-Lokstedt am 1.11.2024
Harald Krassnitzer, Schauspieler
ARD/ORF/Thomas Ramstorfer
Harald Krassnitzer, Schauspieler