Nacktszene mit 13-Jähriger: Wim Wenders trotzt der Kritik

Nacktszene mit 13-Jähriger: Wim Wenders trotzt der Kritik

- Sandra Janke
Lesezeit: 2 min

Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin hat Regisseur Wim Wenders (80) erstmals öffentlich zu einer umstrittenen Nacktszene aus seinem Film "Falsche Bewegung" von 1975 Stellung genommen. In dem Film ist Nastassja Kinski (65) mit gerade einmal 13 Jahren mit nacktem Oberkörper zu sehen. Die Schauspielerin hatte der Süddeutschen Zeitung gegenüber erklärt: "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war." Seit Jahren versucht sie, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen. Wim räumte nun bei der Gala ein, dass er heute anders arbeiten würde: "Dem jungen Mann von damals kann ich keinen Vorwurf machen, auch wenn ich weiß, das würde ich nie mehr so tun."

Dennoch entzog sich der Regisseur einer klaren Antwort auf Nastassjas Forderung und stellte stattdessen eine grundsätzliche Frage in den Raum: "Wie geht man mit Filmerbe um?" Dürfe und solle man eine Szene nachträglich herausschneiden, wenn sie einer Schauspielerin wehtue? Er sei mit dieser Frage "ziemlich allein und auch ratlos" und bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu dem Thema – besonders mit jüngeren Menschen. Als warnendes Beispiel nannte er Hollywood-Regisseur Steven Spielberg (79), der es sich laut Wim nie verziehen habe, seinen Film "E.T." nachträglich verändert zu haben. Für diesen Auftritt erntete Wenders teils scharfe Kritik: Filmwissenschaftlerin Annette Brauerhoch nannte seinen Auftritt im Deutschlandfunk "ausgesprochen unangemessen" und seinen Sprachgebrauch "infantil und unreif". Er verteile mit seinem Appell an das Publikum die Verantwortung auf andere, statt sie selbst zu übernehmen.

Beim Deutschen Filmpreis wurde Wim in diesem Jahr mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie ausgezeichnet und mit Standing Ovations gefeiert. In einem Videoeinspieler gratulierten ihm Musikstars und Schauspieler wie Campino (63), Patti Smith (79), Cate Blanchett (57) und Nick Cave (68). Akademiechef Florian Gallenberger würdigte das Schaffen des Regisseurs als "grenzenlos und gleichzeitig so unverwechselbar".

Collage: Wim Wenders, Nastassja Kinski
Collage: Getty Images, Getty Images
Collage: Wim Wenders, Nastassja Kinski
Nastassja Kinski am Set des "Tatort: Reifezeugnis", 1977
United Archives GmbH
Nastassja Kinski am Set des "Tatort: Reifezeugnis", 1977
Wim Wenders nimmt den Ehrenpreis beim Deutschen Filmpreis 2026 im Palais am Funkturm in Berlin entgegen
Getty Images
Wim Wenders nimmt den Ehrenpreis beim Deutschen Filmpreis 2026 im Palais am Funkturm in Berlin entgegen
Ehrenpreis trotz Kontroverse: War die Feier für Wim Wenders angemessen?
In diesem Artikel