Wim Wenders zieht Nacktszenen-Film mit 13-Jähriger zurück

Wim Wenders zieht Nacktszenen-Film mit 13-Jähriger zurück

- Yasmin Keller
Lesezeit: 2 min

Über 50 Jahre nach seinem Entstehen sorgt der Film "Falsche Bewegung" von Regisseur Wim Wenders (80) für mächtig Wirbel – und wird nun vorerst aus dem Verkehr gezogen. Auslöser ist eine umstrittene Nacktszene mit Nastassja Kinski (65), die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten im Jahr 1975 gerade einmal 13 Jahre alt war. Die Wim Wenders Stiftung teilte mit, dass der Film aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen werde. Streaming-, TV- und Vertriebspartner sollen angewiesen werden, ihn nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Nastassja selbst hatte bereits vor Jahren gefordert, die rund zweiminütige Szene zu entfernen. Sie berichtete der Süddeutschen Zeitung: "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war."

Neue Schärfe gewann die Debatte durch eine Rede Wenders' bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am 29. Mai in Berlin, bei der er den Ehrenpreis erhielt. Dort räumte der Regisseur vor rund 1.900 Gästen ein, er würde die Szene "heute nie mehr so machen", warnte zugleich aber vor einem Präzedenzfall und stellte die Frage, ob ein Film im Nachhinein gekürzt werden dürfe. Diese Aussagen stießen auf Widerstand – unter anderem kündigte Nastassjas Anwalt Christian Schertz eine Klage an, sollte die Szene nicht entfernt werden. In einem Statement bat Wenders die Schauspielerin nun öffentlich um Entschuldigung: "Als einziger der damals für 'Falsche Bewegung' handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber." Wenders will nun einen breiten Austausch mit der Deutschen Filmakademie und dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum suchen. Eine Wiederveröffentlichung soll es erst nach einer einvernehmlichen Lösung gemeinsam mit Nastassja geben – "auch wenn es länger dauern sollte".

Für Nastassja ist "Falsche Bewegung" nicht der einzige Film aus ihrer frühen Karriere, mit dem sie sich nicht mehr wohlfühlt. Bereits in der Vergangenheit hatte sie sich auch gegen Nacktszenen in anderen Produktionen aus ihrer Jugend gewandt und dabei rechtliche Schritte eingeleitet. Wim Wenders und Nastassja verbindet eine gemeinsame Filmgeschichte: Die beiden arbeiteten nicht nur bei "Falsche Bewegung" zusammen, sondern auch bei dem Roadmovie "Paris, Texas" aus dem Jahr 1984 – einem Film, der Wenders international bekannt machte.

Collage: Links: Wim Wenders, Regisseur, Rechts: Schauspielerin Nastassja Kinski
Collage: Getty Images, ActionPress
Collage: Links: Wim Wenders, Regisseur, Rechts: Schauspielerin Nastassja Kinski
Nastassja Kinski, Schauspielerin
Getty Images
Nastassja Kinski, Schauspielerin
Wim Wenders, Regisseur
Getty Images
Wim Wenders, Regisseur
Darf man Filme im Nachhinein ändern, wenn Szenen problematisch sind?