Boy George über Identität, Internet und die verzerrte Welt

Boy George über Identität, Internet und die verzerrte Welt

- Janine Karrasch
Lesezeit: 2 min
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Boy George (65) rechnet mit den Schattenseiten des Netzes ab! Bei einer Preview seiner Auktion "Bold Luxury: Boy George Edit" im Soho Grand Hotel in New York sprach der Sänger im Gespräch mit dem Magazin People offen über seine Sicht auf Popkultur und Online-Hass. Der Brite beschreibt sich selbst als "Voyeur der Popkultur" und beobachtet fasziniert, wie Menschen heute mit dem Smartphone in der Hand ihre Ansichten in die Welt schicken. Besonders deutlich wird er, wenn es um seine Kritiker geht: Die würden sich vor allem im Netz hinter Bildschirmen verstecken.

Für Boy George hat das Internet eine Art Parallelwelt geschaffen, in der die Wahrnehmung schnell verzerrt wird. "Das ist die wahrgenommene Welt. Die tatsächliche Erfahrungswelt ist etwas ganz anderes", erklärt der Musiker im Interview. Die Monster, die einem im Feed Angst machen sollen, würden ihm auf der Straße nicht begegnen. "Du schaust überall hin und sie sind nirgends zu sehen. Dann gehst du wieder online: 'Oh, da bist du ja, Monster. Hallo. Ich hasse dich.'" Auch zum Thema Identität äußerte er sich: "Ich kam aus der Generation, die kaum Geld hatte und sich aus Pappe und Glitzer neu erfinden musste. Es ging darum, das zu nutzen, was verfügbar war." Der Sänger, der zuletzt beim ESC auf der Bühne stand, erinnert sich an seine Jugend, in der er sich mit Pappe, Glitzer und improvisierten Kostümen seinen auffälligen Look selbst erschuf: Ein umgedrehter Mülleimer und ein Stück Stoff reichten, um sich "wie Cleopatra" zu fühlen.

Boy George wuchs in bescheidenen Verhältnissen in der englischen Stadt Eltham auf und entwickelte früh eine Leidenschaft für Musik, Hollywood-Filme und außergewöhnliche Ästhetik. Mit seiner Band Culture Club feierte er in den 1980er-Jahren weltweite Erfolge und wurde nicht zuletzt durch seinen unverwechselbaren Stil zu einer Ikone. Über seine Kindheit sagte er gegenüber People: "Ich war ein aufgewecktes Kind, ziemlich feminin aussehend, verliebt in Mädchen, in Musik, in Hollywood-Filme, in Busby Berkeley und Mae West und Carmen Miranda und alles Exotische und Schöne." Trotz einer Jugend in der Vorstadtenge habe er sich durchgekämpft – "wie eine trotzige Blume, die durch Beton wächst" – und am Ende sogar die Unterstützung seiner Eltern gewonnen. Diversität sei für ihn keine Diskussion, sondern eine Tatsache – und sie ermögliche scheinbare Gegensätze: "Nur in einer Welt, die vollständig vielfältig ist, kann Donald Trump Präsident sein und Boy George ein Popstil in Amerika."

Boy George im August 2016 in Las Vegas
Getty Images
Boy George im August 2016 in Las Vegas
Boy George und Senhit nach ihrem Auftritt im ersten ESC-Halbfinale 2026 in der Wiener Stadthalle
Getty Images
Boy George und Senhit nach ihrem Auftritt im ersten ESC-Halbfinale 2026 in der Wiener Stadthalle
Boy George, Sänger
Getty Images
Boy George, Sänger
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