Warum Königin Sonja den Titel Königinmutter nicht braucht
Die Beerdigung von Prinzessin Astrid (†94) war kaum vorbei, da löste bereits eine Formulierung des norwegischen Königshauses Irritationen aus. In seinem Bericht über die Beisetzung von Prinzessin Astrid führte das norwegische Königshaus Sonja von Norwegen (89) als "Königin Sonja, die Königinmutter" ("kongemoren" auf Norwegisch) auf.
Dagbladet kritisierte den Zusatz umgehend als unnötig und hoffnungslos altmodisch. Aus Sicht des norwegischen Mediums entsteht dadurch der Eindruck, Sonja werde vor allem über ihre familiäre Position als Mutter von König Haakon (53) definiert – dabei engagiert sie sich seit Jahrzehnten eigenständig für Norwegen. Ob "Königinmutter" tatsächlich als neuer offizieller Titel gedacht ist, lässt die Mitteilung offen. Dagbladet hält deshalb auch eine andere Erklärung für möglich: Der Zusatz könnte lediglich dazu gedient haben, das Verhältnis der Royalen zum amtierenden König zu verdeutlichen.
Für Dagbladet spricht Sonjas Lebensweg klar gegen eine Einordnung, die sie lediglich über ihren Ehemann oder ihren Sohn definiert. Seit 58 Jahren übernimmt sie Aufgaben für Norwegen und musste sich bereits als First Lady während der Regentschaft von König Olav ein eigenes Büro erkämpfen. Auch die Freiheit, ihre persönliche Rolle innerhalb des Königshauses selbst zu gestalten, habe sie sich erst erstreiten müssen. Als König Harald (†89) 1991 den Thron bestieg, gingen Sonja und ihr Ehemann ihre royalen Pflichten als gleichberechtigtes Paar an. Mittlerweile hat Königin Mette-Marit ihren früheren Platz als Nummer zwei des Königshauses übernommen. Gerade deshalb stößt sich das Blatt an "Königinmutter": Sonja werde damit nicht einmal mehr zum Subjekt ihres eigenen Titels. Verstärkt werde der Eindruck durch den altertümlichen Klang des Begriffs. In Norwegen sei die Bezeichnung seit dem Mittelalter kaum verwendet worden und wecke Erinnerungen an Gunnhild Königinmutter, die in den Sagen als intrigante Frau mit schlechtem Ruf dargestellt wird.
Eine mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Bezeichnung sieht Dagbladet im britischen Königshaus. Nach dem Tod von König George VI. wurde seine Ehefrau, die Mutter von Königin Elizabeth II., als Königinmutter bezeichnet – allerdings aus einem konkreten Grund: Damals gab es zwei Königinnen mit dem Namen Elizabeth. Eine vergleichbare Verwechslungsgefahr gibt es bei Sonja und Mette-Marit hingegen nicht. Ausgerechnet in der Mitteilung zur Beisetzung von Astrid tauchte die umstrittene Formulierung auf. König Haakon musste dabei von seiner Tante und engen Vertrauten Abschied nehmen. Gemeinsam mit Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), Sonja und Astrids engster Familie nahm er in Oslo am Trauergottesdienst teil. Für Mette-Marit war die Zeremonie zugleich einer ihrer wenigen öffentlichen Auftritte in diesem Jahr: Nach ihrer Lungentransplantation zu Jahresbeginn hatte sie sich weitgehend aus dem royalen Pflichtprogramm zurückgezogen.


























