"Rentierbaby"-Klage gegen Netflix geht jetzt vor Gericht

"Rentierbaby"-Klage gegen Netflix geht jetzt vor Gericht

- Melina Becker
Lesezeit: 3 min
Promiflash.de bei Google bevorzugenPromiflash.de bei Google bevorzugen

Im juristischen Tauziehen um die Netflix-Serie Rentierbaby hat Fiona Harvey einen wichtigen Teilerfolg errungen. Der Streamingriese ist mit seinem Einspruch gegen die Fortsetzung des Verfahrens gescheitert, wie die Daily Mail berichtet. Damit rückt ein Prozess um ihre Verleumdungsklage vor einem US-Gericht in greifbare Nähe – Harvey fordert von Netflix 170 Millionen Dollar (umgerechnet 151.677.373 Euro) Schadensersatz. Sie wirft den Machern vor, in der im April 2024 gestarteten Hitserie als echtes Vorbild für die Stalkerin Martha enttarnt worden zu sein. Was sie besonders hart trifft: Die Serienfigur wird in der Story wegen Stalkings verurteilt und wandert hinter Gitter. Harvey selbst sei im echten Leben dagegen noch nie wegen eines Verbrechens verurteilt worden, stellt ihre Rechtsvertretung klar. Wie ihr New Yorker Anwalt Richard Roth die Reaktion seiner Mandantin auf die jüngste Entscheidung beschreibt? Mit nur einem Wort: "Hocherfreut."

Zuvor hatte Netflix vor einem Bundesbezirksgericht beantragt, die Klage abzuweisen – und war damit gescheitert. Der anschließende Einspruch gegen diese Entscheidung wurde nun ebenfalls zurückgewiesen. Roth wirft dem Unternehmen vor, eine Verhandlung mit allen Mitteln abwenden zu wollen: "Netflix tut alles, was es kann, um einen Prozess in dieser Sache zu vermeiden. Zuerst stellte das Unternehmen einen Antrag beim Bundesbezirksgericht, den es verlor. Dann legte es gegen diese Entscheidung Einspruch ein, der zurückgewiesen wurde", erklärte der Jurist gegenüber Daily Mail. Er kündigte zugleich an: "In dieser Sache wird es einen Prozess geben, bei dem sein Fehlverhalten vor einer Jury im Mittelpunkt stehen wird." Die Serie startet mit dem Hinweis "Dies ist eine wahre Geschichte". Im großen Finale gibt die von Jessica Gunning verkörperte Martha schließlich zu, den Comedian Donny gestalkt zu haben, und wandert für viereinhalb Jahre in den Knast. Richter R. Gary Klausner stellte dazu bereits im September 2024 klar, dass "Rentierbaby" eben keine wahre Geschichte ist. Der Streamingriese Netflix habe es komplett versäumt, die Fakten zu überprüfen oder Harveys Identität unkenntlich zu machen.

"Rentierbaby" stammt aus der Feder von Richard Gadd (37), der in der Produktion auch die Hauptrolle des Donny übernahm. Nach dem Release im April 2024 mauserte sich die Miniserie in Rekordzeit zu einem globalen Streaming-Hit. Für Harvey hatte dieser Mega-Hype allerdings fatale Konsequenzen: Die Art und Weise, wie sie dargestellt wurde, habe sie extrem in den Dreck gezogen und ihr komplettes Leben zerstört, betonte sie. Ihre Anwälte erklärten zudem, dass sie nach der Veröffentlichung so schwer traumatisiert war, dass sie sich nicht einmal mehr aus ihrer Londoner Wohnung getraut habe. Neben der Gefängnisdarstellung steht vor allem die Frage der Erkennbarkeit im Zentrum des Konflikts. Harvey argumentiert, Zuschauer hätten sie ohne Weiteres als reales Vorbild für die Figur Martha identifizieren können.

Szene aus "Rentierbaby"
Ed Miller/Netflix
Szene aus "Rentierbaby"
Fiona Harvey und Piers Morgan im Mai 2024
Twitter / piersmorgan
Fiona Harvey und Piers Morgan im Mai 2024
Richard Gadd, Schriftsteller
Getty Images
Richard Gadd, Schriftsteller
Wie findet ihr es, dass "Rentierbaby" mit dem Hinweis "Dies ist eine wahre Geschichte" startet?