Im Strafprozess gegen Russell Brand (51) rückt die Entscheidung in greifbare Nähe. Nach mehr als drei Wochen Beweisaufnahme am Southwark Crown Court in London haben sich die Geschworenen zurückgezogen, um über ein Urteil zu beraten. Wie Deadline berichtet, muss die Jury dabei über alle sieben Anklagepunkte entscheiden, die dem Schauspieler und Comedian zur Last gelegt werden. Konkret geht es um drei Vergewaltigungen, drei sexuelle Übergriffe und einen versuchten unsittlichen Angriff. Russell bestreitet sämtliche Anschuldigungen und plädierte in allen Punkten auf nicht schuldig. Damit liegt die Entscheidung nach den Zeugenaussagen, der Präsentation weiterer Beweise und den Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung jetzt vollständig bei der Jury. Wann die Geschworenen zu einem Ergebnis kommen, ist derzeit noch offen. Klar ist nur, dass mit dem Beginn der Beratungen die entscheidende Phase des Verfahrens erreicht ist.
Bevor sich die Jury zurückzog, hatten zunächst die Anklage und die Verteidigung ihre Schlussplädoyers gehalten. Anschließend fasste Richter Justice Bennathan die Beweise ausführlich zusammen und ging mit den Geschworenen jeden der sieben Anklagepunkte einzeln durch. Die Hürde für einen Schuldspruch ist hoch: Für eine Verurteilung des Comedians müssen sich die Geschworenen bei jedem Vorwurf einstimmig festlegen. Der Richter machte deutlich, dass es für die Beratungen keine zeitliche Vorgabe gebe. "Keine Jury kann dafür kritisiert werden, dass sie sich bei ihren Beratungen zu wenig oder zu viel Zeit nimmt, darüber entscheiden allein Sie", stellte er laut Deadline klar. Zudem erinnerte er die Geschworenen an einen zentralen Grundsatz des Strafrechts: Die Beweislast liege allein bei der Anklage und nicht beim Angeklagten. Sollten nach der Prüfung der Beweise begründete Zweifel bestehen bleiben, müsse die Entscheidung zugunsten des Angeklagten ausfallen. Erst nach dieser Belehrung zog sich die Jury zurück, um über jeden Vorwurf gesondert zu beraten.
Eine wichtige Rolle spielte im Verfahren auch die Channel-4-Dokumentation "Russell Brand: In Plain Sight" aus dem Jahr 2023. Sowohl die Anklage als auch die Verteidigung widmeten sich dem Film in ihren Schlussplädoyers ausführlich. Die Verteidigung vertrat die Ansicht, die Sendung habe die Erinnerungen der sechs Frauen beeinflusst. Die Anklage hielt dagegen, dass die Veröffentlichung keinen Einfluss ausgeübt habe, sondern den Frauen vielmehr gezeigt habe, mit ihren Erfahrungen nicht allein zu sein. Deshalb hätten sie sich an die Öffentlichkeit und die Behörden gewandt. Für die nun anstehende Entscheidung dürften die in der Dokumentation erhobenen Anschuldigungen jedoch keine Rolle spielen, betonte der Richter. "Denken Sie nicht, dass einige Frauen, die in einer TV-Sendung anonyme Beschwerden äußern, die Anklage in irgendeiner Weise stützen", wies er die Jury an. Mit Blick auf die damaligen Anschuldigungen fügte er hinzu: "Der Angeklagte wies die Anschuldigungen [in der Dokumentation] entschieden und detailliert zurück. Sie wurden nie vor einem Gericht geprüft." Die Geschworenen sollen ihr Urteil somit ausschließlich auf die im aktuellen Prozess zugelassenen und geprüften Beweise stützen.


























