Ein angeblicher Zickenkrieg zwischen zwei britischen Schauspielgrößen sorgt offenbar schon lange für Gesprächsstoff. Doch Judi Dench (91) hat nun klargestellt, dass sie und ihre Kollegin Maggie Smith (†89) sich keineswegs wegen einer Garderobe in die Haare bekommen haben. In ihrer neuen Autobiografie "Is It Too Late to Make a Run for It?" geht sie auf das hartnäckige Gerücht ein. Im Gespräch mit Schauspieler und Regisseur Brendan O'Hea, das im Buch festgehalten wurde, reagiert Judi deutlich: "Sei nicht lächerlich." Tatsächlich hätten die beiden Freundinnen getrennte Umkleideräume bevorzugt. Der Grund dafür sei jedoch denkbar unspektakulär gewesen: Ihre Vorstellungen von der Zeit vor einem Auftritt gingen weit auseinander. Maggie wollte am liebsten ungestört mit einem Buch entspannen. Judi hingegen brauchte Gesellschaft und Bewegung um sich herum. Sie genoss Gespräche, Stimmengewirr und das ständige Kommen und Gehen hinter der Bühne. Auch laute Durchsagen gehörten für sie dazu.
Dass es hinter den Kulissen durchaus Streit um die beste Garderobe geben kann, hat Judi allerdings selbst erlebt. Sie kenne Schauspielkollegen, die sich deswegen regelrecht angefeindet hätten. Ein genervter Produzent habe schließlich eine ungewöhnliche Lösung gefunden und kurzerhand an jeder Garderobentür eine Eins anbringen lassen. Judi selbst lege keinen Wert auf einen bestimmten Raum. Entscheidend sei für sie vielmehr, dort nicht allein zu sein. Schon während einer Old-Vic-Inszenierung von "Romeo und Julia" im Jahr 1960 habe ihr Kollege Nicholas Meredith ihr in der Garderobe Gesellschaft geleistet. In ihrer Autobiografie widmet Judi auch ihrer verstorbenen Freundin Maggie einige persönliche Zeilen. Dabei beschreibt sie eine Frau mit sehr unterschiedlichen Facetten: "In einem Moment konnte sie vor Lachen brüllen und sich selbst auf die Schippe nehmen, und im nächsten war sie wegen irgendetwas völlig von Traurigkeit überwältigt und vollkommen durcheinander." Maggie sei "ein sehr komplexer Mensch" gewesen, der sich oft zurückgezogen habe und zeitweise wohl einsam gewesen sei. Gelegentlich habe sie sich regelrecht abgeschottet, als würde sie einen elektrischen Zaun um sich errichten. Gleichzeitig erinnert sich Judi an sie als eine großartige Gesellschafterin mit außergewöhnlicher Intelligenz, scharfem Humor und einem ausgeprägten komödiantischen Talent.
Wie in Judis Autobiografie weiterhin zu lesen ist, begann ihre gemeinsame Geschichte mit Maggie Ende der 1950er-Jahre am Londoner Old Vic. Dort begegneten sich Judi und Maggie als Nachwuchsschauspielerinnen und entwickelten eine Freundschaft, die über viele Jahrzehnte Bestand hatte. Auch beruflich kreuzten sich ihre Wege immer wieder. Gemeinsam standen sie unter anderem für "Zimmer mit Aussicht", "Tee mit Mussolini", "Der Duft von Lavendel" und "Best Exotic Marigold Hotel" vor der Kamera. Am 27. September 2024 starb Maggie im Alter von 89 Jahren. Wie sehr Judi ihre langjährige Freundin vermisst, wird in ihrer Autobiografie deutlich. "Manchmal will ich zum Telefon greifen und denke, ich muss sie anrufen, nur um ihre Stimme zu hören, und dann wird mir klar, dass sie nicht mehr da ist", schreibt sie. In ihrem Buch lässt die Schauspielerin auch andere Stationen ihres Lebens und ihrer Karriere Revue passieren. Dabei spart sie nicht mit kritischen Tönen, etwa wenn es um die Musicalverfilmung "Cats" geht. Die fertige Filmfassung habe sie sich nach eigenen Angaben bis heute nicht angesehen.




























