"The Crown": Diese royalen Dramen wurden einfach erfunden

"The Crown": Diese royalen Dramen wurden einfach erfunden

- Yasmin Keller
Lesezeit: 3 min
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Seit ihrem Start im Jahr 2016 hat die Netflixserie The Crown zahlreiche Zuschauer in ihren Bann gezogen. In sechs Staffeln erzählte das Drama von Ereignissen aus der Regentschaft von Queen Elizabeth II. (†96) zwischen und spielt in der Zeit von 1947 bis 2005. Dabei schien es Einblicke hinter die Mauern des Palastes zu gewähren. Doch nicht alles, was die Fans zu sehen bekamen, hat sich tatsächlich so zugetragen. Serienschöpfer Peter Morgan und sein Team nahmen es bei einigen besonders dramatischen Handlungssträngen mit den historischen Fakten nicht so genau. So wurden etwa eine Sekretärin von Premierminister Winston Churchill, ein Konflikt zwischen der Monarchin und Jackie Kennedy sowie ein Zeitungsinterview von Prinzessin Alice komplett erfunden oder stark verfälscht. Für die heftigste Kritik sorgte allerdings eine Szene rund um den jungen Prinz Philip (†99). Darin wird das tragische Schicksal seiner Schwester Prinzessin Cecilie aufgegriffen, die 1937 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Die Serie verknüpft ihren Tod mit Philips damaligen Schulproblemen und vermittelt dadurch den Eindruck, der Royal habe eine Mitschuld an der Katastrophe getragen.

In der zweiten Staffel erzählt die Serie, Cecilie habe ihren Bruder in Großbritannien besuchen wollen. Der Grund: Philip durfte wegen Problemen in der Schule angeblich nicht nach Deutschland reisen. Die Maschine stürzt ab. Neben der Prinzessin sterben dabei ihr Ehemann, die beiden Söhne, ihr ungeborenes Kind und ihre Schwiegermutter. Bei der Beerdigung macht Philips Vater, Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark, seinem Sohn in der Netflixproduktion schwere Vorwürfe: "Du bist der Grund, weshalb wir alle hier sind und mein Lieblingskind beerdigen." Belege dafür, dass Philip wirklich die Schuld an Cecilies Tod gegeben wurde, gibt es jedoch nicht. Laut Royalbiograf Hugo Vickers war der inzwischen verstorbene Prinz nach der Ausstrahlung über die "erschreckend bösartigen" Szenen "sehr aufgebracht". Gegenüber MailOnline kritisierte Hugo zudem: "Wie schändlich es war, Prinz Philip in der Serie zu einer Karikatur zu machen, die nie irgendeine Arbeit erledigt." Die Darstellung sei "grausam und zutiefst unfair". Netflix solle die Zuschauer daher zumindest mit einem entsprechenden Hinweis darauf aufmerksam machen.

Philip ist aber längst nicht der Einzige, dessen Geschichte für die Serie ordentlich aufgepeppt wurde. Venetia Scott, Winstons Sekretärin, die während des großen Londoner Smogs 1952 ums Leben kommt, hat es nie gegeben. Peter erfand die Figur, um der damaligen Krise mehr emotionale Wucht zu verleihen. Die Serie zeigt außerdem, wie Prinzessin Margaret (†71) entdeckt, dass ihre Cousinen Nerissa und Katherine Bowes-Lyon in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht waren. In Wirklichkeit wurde der Umgang der Familie mit den beiden Frauen durch Recherchen der Presse öffentlich. Für einen Besuch Margarets gibt es keine Belege. Auch die angebliche Fehde zwischen der Queen und Jackie Kennedy ist nicht belegt, ebenso wenig die Ghana-Reise als Rache für eine Beleidigung. Die Reise war schon lange vor dem Kennenlernen der beiden Frauen geplant. Sie sollte verhindern, dass Ghana sich im Kalten Krieg vom Commonwealth abwendet und der Sowjetunion zuwendet. Frei erfunden wurde außerdem das Interview von Prinz Philips Mutter Alice von Battenberg mit "The Guardian" in Staffel drei. Damit rettet sie nach einer missglückten Dokumentation das Ansehen der Royals. Die zurückgezogen lebende Prinzessin gab zu Lebzeiten jedoch keine Presseinterviews.

Claire Foy und Matt Smith in "The Crown"
ActionPress
Claire Foy und Matt Smith in "The Crown"
Queen Elizabeth II. beim Staatsbankett im Schloss Bellevue in Berlin
Getty Images
Queen Elizabeth II. beim Staatsbankett im Schloss Bellevue in Berlin
Prinz Philip (†99)
Getty Images
Prinz Philip (†99)
Wie sollte Netflix erfundene Handlungen in "The Crown" eurer Meinung nach kennzeichnen?