Guido Westerwelle (54) verstarb heute an einer Blutkrebserkrankung. Er hinterlässt seinen Lebenspartner Michael Mronz, doch mit seiner ganz eigenen Art hat er noch viele Leben mehr berührt. "Ich bin keiner, der bei Sturm von Deck geht", verkündete er einst in Bezug auf das Wahljahr 2011 und drückte damit seinen Mut und seine Stärke aus. Damals war sein Lebensmittelpunkt die Politik und dort sorgte er für geteilte Meinungen. Sein Wesen polarisierte und ebnete ihm eine erfolgreiche politische Karriere.

Guido Westerwelle
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Von 1994 bis 2001 war Guido Westerwelle Generalsekretär der FDP und als solcher schnupperte er sogar in Bereiche der Medienlandschaft, die mit Politik so gar nichts am Hut haben. Als erster Politiker stattete er nämlich 2000 den elf Bewohnern des Big Brother-Hauses einen Besuch ab. Nach seinem 35-minütigen Aufenthalt stellte er fest, die Bewohner seien nett und das Haus habe etwas vom Bundestag - überall Kameras.

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Und wer erinnert sich nicht an die Pressekonferenz, bei der Guido Westerwelle partout nicht auf Englisch antworten wollte, geschweige denn sich eine englische Frage stellen lassen hat: "Wenn sie bitte so freundlich wären, weil das hier eine Pressekonferenz in Deutschland ist (...), es ist in Deutschland üblich, dass man hier deutsch spricht", entgegnete er als Außenminister 2009 einem BBC-Reporter und erregte damit viel Aufmerksamkeit.

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Seinem Erfolg schadeten solche Auftritte nicht: Von 2001 bis 2011 war er Vorsitzender der FDP. Immerhin erreichte die Partei unter seinem Vorsitz den bis dahin erzielten Bestwert seit der Gründung - war sogar 2009 bis 2013 Außenminister. Auch neben der Politik zeigte sich Guido Westerwelle mutig.

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1997 war er in einem Nachschlagewerk als homosexuelle öffentliche Persönlichkeit gelistet worden. Widersprochen hatte er diesem Coming-out nicht. Eine breitere Masse erfuhr von seiner Homosexualität durch einen Bericht der Bild-Zeitung 2004.

WENN

Solche Stationen machten Guido Westerwelles Leben besonders und lassen ihn in den Köpfen vieler Menschen noch lange weiterleben. Auch Politiker-Kollegen bedauern natürlich den Tod des 54-Jährigen. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, schrieb auf Twitter: "Tief traurig über Tod von Guido Westerwelle. Mit ihm verliert die FDP eine prägende Figur. Gedanken sind bei seinem Mann, Familie und Freunden". Auch CDU-Fraktionsvorsitzende Julia Klöckner twittert: "Es gibt Meldungen, die man nicht glauben will, weil sie so traurig machen. Da wird alles andere sehr relativ".

Mehr zu seinem tragischen Tod gibt es in diesem Video: