Trotz Kreuzbandriss: Lindsey Vonn will bei Olympia starten
Lindsey Vonn (41) kämpft nach einem herausfordernden Comeback mit einer neuen Verletzung am linken Knie – und das ausgerechnet kurz bevor sie in wenigen Tagen bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo glänzen wollte. Am Dienstagnachmittag trat die Skilegende vor rund 100 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt vor die Mikrofone und bestätigte ihre Diagnose nach einer Abfahrt in der Schweiz. "Ich habe mir das Kreuzband komplett gerissen und eine Knochenprellung zugezogen", erklärte Lindsey im Olympia-Ort laut Spiegel bei der Pressekonferenz. Trotzdem denkt die US-Amerikanerin nicht ans Aufgeben. Mit Blick auf die Winterspiele betonte sie entschlossen: "Solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen." Ein Start gilt damit weiter als Ziel – trotz der schweren Verletzung und der knappen Zeit bis zum ersten Rennen. "Mein Knie ist nicht geschwollen und mithilfe einer Bandage bin ich zuversichtlich, dass ich am Sonntag antreten kann."
Die viermalige Gesamtweltcupsiegerin stellte klar, dass sie gemeinsam mit Ärzten, Trainerteam und Physio an einem Plan arbeitet, um die Belastung zu steuern: "Ich muss erst abwarten, wie es sich anfühlt. Ich muss erst 130 km/h fahren, dann kann ich es sagen", räumte sie ein. Eine kurzfristige Anpassung des Programms sei möglich, etwa die Fokussierung auf jene Disziplin, die mit der Verletzung am ehesten zu bewältigen ist. Entscheidend werde sein, wie das Knie auf die nächsten Tage mit intensiver Behandlung, Physiotherapie und Stabilisation reagiert. In Cortina herrscht erhöhte Aufmerksamkeit: Der Skizirkus blickt auf die Trainingszeiten, die Materialwahl und jeden Schritt, den Lindsey in der Mixed Zone macht. Auch organisatorisch ist alles auf Kante genäht – medizinische Checks zwischen den Einheiten, eng getaktete Behandlungen, dazu das ständige Abwägen von Risiko und Chance. "Alle arbeiten so hart, wie sie können. Für mich ist das nicht etwas Unbekanntes, ich war schon einmal in dieser Situation", resümierte das Ski-Ass laut Eurosport.
Schon vor wenigen Tagen hatte Lindsey nach ihrem Sturz in der Schweiz Durchhaltewillen demonstriert und ihre Community mit ihrer Comeback-Mentalität abgeholt. Wer die Ausnahmeathletin kennt, weiß: Aus Rückschlägen hat sie stets Energie gezogen. Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg traue der US-Amerikanerin alles zu. "Wenn jemand damit umgehen kann, dann ist es Lindsey", beteuerte sie im Interview. Privat findet Lindsey diese Kraft auch abseits der Piste – bei engen Freundschaften, die sie über Jahre im Weltcup geknüpft hat, und in einer Familie, die sie bei Entscheidungen stützt. In ruhigen Momenten sucht die Abfahrtsolympiasiegerin von 2010 gern die Nähe zu den Bergen: "Wenn ich eine Piste kenne, dann die in Cortina. Deswegen bin ich hier und habe trotz der Verletzung großes Selbstvertrauen." Genau diese Mischung aus Härte im Wettkampf und Bodenständigkeit macht ihren Olympia-Plan jetzt so emotional. Wie sie mitteilte, wären das die Worte, die ihr ihr verstorbener Mentor Erich Sailer zuflüstern würde: "Es sind nur 90 Sekunden, was sind schon 90 Sekunden in einem ganzen Leben. Du kannst es schaffen."









