

Kein Spanien-Comeback: König Juan Carlos bleibt in Abu Dhabi
Was im Sommer 2020 als überstürzter Aufbruch begann, hat sich inzwischen in eine dauerhafte Realität verwandelt. Juan Carlos I. (88) verließ Spanien damals, als die Justiz wegen des Verdachts auf Korruption und Steuerhinterziehung gegen ihn ermittelte. Berichte über ein Schwarzgeldkonto mit über 100 Millionen Euro in der Schweiz hatten das Land erschüttert. Schon vier Jahre zuvor hatte er die Krone an seinen Sohn König Felipe VI (58) abgegeben, unter anderem nachdem ein öffentlich gewordener Elefantenjagd-Ausflug inmitten der spanischen Wirtschaftskrise für massive Empörung gesorgt hatte. Abu Dhabi sollte nur eine vorübergehende Zuflucht sein, bis der öffentliche Druck nachließe. Doch sechs Jahre später ist klar: Der heute 88-Jährige wird wohl nicht mehr nach Spanien zurückkehren. Vertraute aus seinem Umfeld bestätigen gegenüber der spanischen Vanity Fair mittlerweile offen, was lange nur vermutet wurde: "dass der ehemalige König sein Leben so beenden wird, wie er es begonnen hat" – im Exil, fernab seiner Heimat.
Anfang des Jahres schien kurz Bewegung in die festgefahrene Situation zu kommen. Der spanische Königspalast ließ im Februar 2026 über den öffentlichen Sender RTVE ausrichten, Juan Carlos könne grundsätzlich nach Spanien zurückkehren – das sei letztlich seine "persönliche Entscheidung". Doch die Botschaft kam mit einer klaren Auflage: Er müsste seinen steuerlichen Wohnsitz zurück nach Spanien verlegen. Für einen Mann, der in den Emiraten erhebliche finanzielle Freiheiten genießt, ist das offenbar keine akzeptable Option. Spanische Medienbeobachter bezweifelten von Anfang an, dass das Signal aus Madrid irgendetwas Konkretes bewirken würde. Hinzu kommt die anhaltende Eiszeit zwischen Vater und Sohn: Felipe hält seit Jahren Abstand, gemeinsame öffentliche Auftritte sind die Ausnahme. Juan Carlos fehlte bei zentralen Ereignissen – darunter der Verfassungseid von Prinzessin Leonor (20) 2023 und der 50. Jahrestag seiner eigenen Thronbesteigung im November 2025. Die politische Debatte in Spanien bleibt gespalten: Die konservative Opposition drängt auf eine Heimkehr, während Kritiker wie ERC-Sprecher Gabriel Rufián unmissverständlich klarstellen: "Verbrecher bleiben besser draußen."
Die deutlichsten Zeichen dafür, dass Juan Carlos innerlich angekommen ist, finden sich in seiner Villa auf der künstlich angelegten Nurai Island selbst. Was lange wie eine funktionale Übergangslösung wirkte, trägt heute unverkennbar persönliche Züge: Familienfotos, Bücher und Erinnerungsstücke haben Einzug gehalten. Zuletzt wurde das Anwesen umfassend renoviert – mit dem erklärten Ziel, jedes Gefühl von Vorläufigkeit zu tilgen. Im Garten stehen drei jahrhundertealte Olivenbäume, eigenhändig vom 88-Jährigen gepflegt. Sie stammen von der Iberischen Halbinsel – für Juan Carlos, so heißt es, "ein kleines Stück Spanien, tief in mir verwurzelt".








