Nacktfoto-Skandal kostete Vanessa Williams Broadway-Rolle
Ein Vorsprechen, das eigentlich der Startschuss für eine große Bühnenkarriere hätte sein können, endete für Vanessa Williams in einer bitteren Absage. In der Podcastfolge von "Dinner's on Me With Jesse Tyler Ferguson" erinnerte sich die Sängerin daran, wie ihr eine Broadway-Rolle wegen ihres Nacktfoto-Skandals durch die Finger glitt. Tommy Tune habe sie damals für das Musical "My One and Only" als Nachfolgerin von Twiggy auf dem Zettel gehabt – für Vanessa war es das erste echte Broadway-Vorsprechen überhaupt. Regisseur Mike Nichols (†83) soll anschließend regelrecht ins Schwärmen geraten sein und Lee Gershwin, der Witwe von Ira Gershwin, von Vanessas starker Leistung berichtet haben. Deren Reaktion fiel allerdings vernichtend aus. "Nur über meine Leiche wird diese Schlampe in meiner Show sein", soll sie erwidert haben. Vanessa selbst habe damals jedoch nicht realisiert, wie deutlich die Entscheidung gegen sie ausgefallen war: "Ich hatte keine Ahnung, wie schwerwiegend diese Verurteilung war."
Vorausgegangen war ein Skandal, der 1984 für ordentlich Wirbel sorgte: Im Juli musste Vanessa ihren Miss-America-Titel abgeben, den sie 1983 als erste schwarze Frau gewonnen hatte. Die Aufnahmen, die ihr zum Verhängnis wurden, waren entstanden, als sie noch ein Teenager war. Nach ihrer Schilderung im Podcast hatte man ihr damals Anonymität zugesichert, eine unterschriebene Einverständniserklärung zur Veröffentlichung habe es nie gegeben. Trotzdem wurden die Bilder verkauft und im Penthouse-Magazin abgedruckt – ohne ihr Okay. Für die Sängerin war das schlicht ein "Verrat", zumal die Fotos so gar nicht zum blitzsauberen Image der Miss-America-Organisation passten. Warum die Aufnahmen dennoch den Weg an die Öffentlichkeit fanden, erklärte sie im Podcast recht nüchtern: "Es läuft immer auf Geld hinaus, und natürlich hat Penthouse mit der ganzen Sache einen Haufen Geld verdient."
Der Skandal sei für manche die perfekte Gelegenheit gewesen, sie "zu Fall zu bringen", so die Schauspielerin im Podcast. Entsprechend viele Hürden musste sie zu Beginn ihrer weiteren Laufbahn aus dem Weg räumen. Ganz ohne positive Seite blieb die Erfahrung aber nicht: Sie habe ihr auch die Chance eröffnet, sich jenseits der engen Schublade einer Schönheitskönigin zu beweisen. Und das gelang: Später wurde Vanessa laut dem Magazin OK! unter anderem durch die Serien Desperate Housewives und "Ugly Betty" einem Millionenpublikum bekannt. Dass sie Jahrzehnte danach noch immer so detailliert über die damalige öffentliche Verurteilung und den Vertrauensbruch spricht, zeigt, wie sehr sie das Kapitel beschäftigt hat.









