

Iris Berben über Schönheitsdruck, Social Media und Tradwives
Gegen den allgegenwärtigen Schönheitswahn, dem vor allem junge Frauen ausgesetzt sind, bezieht Iris Berben (76) klar Stellung. Im Gespräch mit dem Kurier kritisierte die Schauspielikone die Funktionsweise sozialer Netzwerke, deren Algorithmen ununterbrochen dieselben optischen Schablonen reproduzieren. Den Rahmen für dieses Statement bot die glanzvolle Kosmetikshow zum Start der Pariser Modewoche auf dem Place Joffre. Dort präsentierte sich Berben an der Seite weltbekannter Kolleginnen wie Jane Fonda (88), Andie MacDowell (68), Eva Longoria (51), Kendall Jenner (30) und Heidi Klum (53) auf dem Laufsteg. Dass Individualität dabei immer mehr verloren geht, bereitet ihr Sorge. "Aber diese Uniformierung, diese gleichen Gesichter machen mich traurig", erklärte sie dem Blatt. Wie sehr sich Schönheitsnormen auf Lebenswege auswirken können, weiß die Schauspielerin aus eigener Erfahrung: Mit 20 Jahren riet ihr ihre eigene Agentin, den schiefen Mund korrigieren zu lassen. Iris entschied sich dagegen – und sieht genau dieses Merkmal heute als ihr persönliches Charaktermerkmal.
Die Schauspielerin verurteilt ästhetische Eingriffe grundsätzlich nicht und befürwortet die persönliche Selbstbestimmung jedes Einzelnen. Kritisch sieht sie jedoch den Einfluss von Algorithmen, die jungen Menschen ein normiertes Aussehen vorschreiben. Sie wünsche sich mehr Auseinandersetzung mit der Frage, ob man einem millionenfach reproduzierten Bild entsprechen oder lieber einzigartig sein möchte. Selbst ist Iris auf keiner Plattform aktiv. "Nein, ich bin in einer Generation aufgewachsen, wo es noch spannender war, Geheimnisse zu haben. Ich bin froh, wenn mir keiner auf die Schliche kommt", sagte sie dazu. Ebenso kritisch beäugt sie das Phänomen der sogenannten "Tradwives", bei dem Social-Media-Stars ein betont traditionelles Rollenverständnis verherrlichen. Die aktuellen Rückschritte im Bereich der Frauenrechte und das bewusste Aufgeben des Prinzips der Gleichberechtigung in den USA empfindet die Schauspielerin als absolut schockierend und alarmierend.
Ihre gefestigte Meinung zu Schönheitsidealen bedeutet jedoch nicht, dass das Älterwerden spurlos an ihr vorbeigeht. Erst im Frühjahr 2026 gab sie am Rande der Filmfestspiele in Cannes unumwunden zu, dass sie diesen Lebensabschnitt durchaus als Herausforderung und bisweilen wehmütig empfindet. Geprägt von der 68er-Bewegung steht für sie die persönliche Entfaltung jenseits gesellschaftlicher Zwänge ganz weit oben. Konsequent bleibt sie deshalb auch bei ihrem Nein zur Ehe: Das Konzept der Hochzeit ist aus ihrer Sicht nach wie vor viel zu konservativ und von verstaubten Klischees geprägt. Den Auftritt in Paris wertet die Schauspielerin unterdessen als Zeichen weiblicher Sichtbarkeit und Solidarität. Ganz unterschiedliche Frauen könnten auf einem solchen Laufsteg zeigen, dass es kein Verfallsdatum gibt und dass Zusammenhalt trotz aller Unterschiede möglich ist.






















