Jorge González' Vater hielt ihn zwei Jahre lang für tot

Jorge González' Vater hielt ihn zwei Jahre lang für tot

- Patricia Schlösser-Christ
Lesezeit: 2 min

Jorge González (58) hat in einem neuen dpa-Interview über eine besonders schmerzhafte Phase seines Lebens gesprochen – und dabei eine erschütternde Erinnerung geteilt. Der Let's Dance-Juror erzählte, dass sein Vater ihn zwei Jahre lang für tot hielt. Der Künstler, der auf Kuba aufwuchs und schon als Kind spürte, dass er homosexuell ist, musste seine Sexualität lange verheimlichen. Mit 17 Jahren verließ er seine Heimat und ging nach Europa. Was als Neuanfang gedacht war, führte zu einem langen Kontaktabbruch mit der Familie. Neun Jahre sahen sich Vater und Sohn nicht, während Jorge in der Ferne seinen Weg suchte und um Akzeptanz rang. "Da war einerseits eine gewisse Angst, eine Traurigkeit in mir, aber andererseits auch Courage und ein Wille. Ich habe mir gesagt: Du musst es schaffen", erklärte er im Interview.

In Kuba war Jorge mit seiner Sexualität zunächst auf Ablehnung gestoßen, auch innerhalb der eigenen Familie. Der Vater habe seine Homosexualität anfangs nicht akzeptiert, berichtete der TV-Star. Die Distanz wuchs, das Schweigen wurde zur Barriere – bis zu dem Punkt, an dem der Vater zwei Jahre lang glaubte, sein Sohn sei gestorben. Erst später kam die Annäherung. Der Vater habe reflektiert und schließlich verstanden, erzählte Jorge. "Für ihn war wichtig, dass ich am Leben bin. Und da habe ich seine Liebe gespürt", so der Tänzer. Bis zum Tod des Vaters im September 2021 pflegten beide wieder ein enges Verhältnis.

Heute nutzt Jorge seine Bekanntheit, um anderen Mut zu machen – vor allem den Eltern queerer Kinder. Im dpa-Interview appellierte der Juror eindringlich: "Es ist nicht zu spät, dein Kind so zu akzeptieren, wie es ist." Man müsse nicht jeden Lebensentwurf komplett verstehen, betonte er, aber: "Zeig ihm, dass du es liebst. Du musst nicht zu 100 Prozent mögen, wie es lebt, aber du akzeptierst es, du respektierst es. Das reicht für den Anfang." Dem Tänzer war es wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht in einem Leben im Versteck zu verharren. Menschen, die ihre Identität verleugnen, würden häufig depressiv und unglücklich, erklärte er. "Ich sehe viele Leute, die sich noch verstecken, deren Leben nicht wirklich frei ist", führte er seine Gedanken weiter aus. "Und das wollte ich nicht für mich", schloss er seine Ausführungen ab. Für Jorge war es entscheidend, seinen eigenen Weg zu gehen und dafür zu kämpfen, er selbst zu sein. Es ist ihm gelungen – inklusive einer Versöhnung mit seinem Vater.

Jorge González, Choreograf
Getty Images
Jorge González, Choreograf
Jorge González, September 2025
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Jorge González, September 2025
Jorge González, Motsi Mabuse und Joachim Llambi bei "Let's Dance"
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Jorge González, Motsi Mabuse und Joachim Llambi bei "Let's Dance"
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