Corinna Harfouch trauert dem "Tatort" nicht hinterher
Am Sonntag (1. Februar) heißt es Abschied nehmen: Corinna Harfouch (71) steht zum letzten Mal als Berliner Tatort-Kommissarin Susanne Bonard vor der Kamera, nach insgesamt sechs Fällen in der ARD-Reihe. Die Schauspielerin, die seit 2019 das Hauptstadt-Team verstärkt hat, macht im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland klar, dass ihr Abschied alles andere als ein Schock ist. Von Wehmut keine Spur, stattdessen betont sie, dass der Ausstieg von Anfang an so geplant gewesen sei. "Es wäre widersinnig, in meinem Alter als 'Tatort'-Kommissarin weiterzumachen", so Corinna. Hinter den Kulissen hätte sie sich allerdings mehr Spielraum für ihre Figur gewünscht – und genau da setzt ihre deutliche Kritik an den Macherinnen und Machern der Kultreihe an.
"Die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, sind sehr begrenzt", erklärte sie dem RND und sprach von einem System, das Schauspielerinnen wenig Raum lasse. Ihre Idee, Bonard "alles in Rock und Schühchen" spielen zu lassen, um sie in Einsatzsituationen bewusst unpassend wirken zu lassen, wurde abgelehnt. Sie hätte sich "hier und da ein bisschen mehr Freiheit" gewünscht, doch dafür müsse man "wahnsinnig viel Kraft und Zeit" aufbringen. Der letzte Fall von Susanne Bonard wird kein gewöhnlicher Sonntagskrimi! In "Gefahrengebiet" steht die Kommissarin kurz vor der Rente und muss einen mysteriösen Todesfall aufklären, wie die ARD mitteilt. Ein Obdachloser wurde von einem Wolf attackiert – doch war es wirklich das Wildtier oder doch ein Mörder? Die Handlung nimmt bizarre Züge an, als Bonard ihre Dienstwaffe abgibt und sich als Privatperson einer Survival-Lehrerin anschließt.
Corinna spricht offen über das Älterwerden im Filmgeschäft: Zwischen 40 und 55 habe es eine Delle gegeben, erzählte sie, doch Theater und Lesungen fingen vieles auf. Grundsätzlich sei es im Alter schwierig – für Frauen, "oder vielleicht auch für Männer". Gleichzeitig blickt die Schauspielerin nüchtern auf das Publikum: Das lineare Fernsehen werde "vorwiegend älter" geschaut, sagte Corinna dem RND, weshalb ihre Kolleginnen den Mut nicht verlieren sollten: "Unsere Gesellschaft altert ja enorm und wir Alten müssen auch gefüttert werden mit Kunst und Film und Geschichten." Von den aktuellen Versuchen der Sender, mit "unglaublichen Bocksprüngen" junge Zuschauer zurückzugewinnen, hält sie wenig. Abseits solcher Grundsatzfragen ist Corinna im Privaten für klare Routinen bekannt, liest gerne und steht regelmäßig auf Theaterbühnen. Dieser Wechsel zwischen Kamera und Bühne gab ihr in schwierigen Phasen Halt – und jetzt, nach Bonard, vor allem Freiheit für Rollen, die sie wirklich reizen.








