

Das sagt der Experte: Schlief Marius Borg Høibys Opfer?
Marius Borg Høiby (29) steht in Oslo vor Gericht – im Mittelpunkt eine Nacht auf Schloss Skaugum, in der eine junge Frau nach einer durchfeierten Party bei ihm blieb. Auf Videos aus jener Nacht ist zu sehen, wie Marius den Intimbereich der Frau berührt, während sie sich nicht regt. Die brisante Frage: Schlief sie, oder stand sie unter dem Einfluss von Substanzen? Vor Gericht trat laut VG nun Schlafexperte Ståle Pallesen, Professor an der Universität Bergen, auf. Er erklärte, wie Alkohol den Schlaf beeinflussen kann, und analysierte die Aufnahmen: Die Frau liege in allen Clips nahezu unverändert in derselben Position. Ob sie aufgewacht wäre oder sich wehren konnte, sei entscheidend – doch klar ist das bislang nicht.
Ståle sagte laut VG, zu Beginn einer Nacht sei oft viel Tiefschlaf zu beobachten. Mehrfaches kurzes Erwachen sei normal, vier bis sechs Schlafzyklen seien üblich. Für den konkreten Fall habe er mit keiner der beteiligten Personen gesprochen, seine Einschätzungen stützten sich auf die Videos und zeitliche Abläufe. Dazu zählt auch die Taxifahrt nach dem Geschehen: Aus der Abfolge schloss er, es sei möglich, dass die Frau allein oder mit Hilfe – vielleicht auch durch Marius – ein Taxi bestellt habe. Wer tatsächlich bestellte, ist ungeklärt; Marius sagt, er habe es getan, die Frau erinnert eine Hilfe durch einen Wachmann. Ging man davon aus, dass sie am Tag zuvor früh aufgestanden sei, könne sie zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten sehr übermüdet gewesen sein und schnell eingeschlafen sein – das sei jedoch nur eine grobe Schätzung.
Gegenüber Bild erklärte Ståle, die Forschung belege, dass Menschen im Schlaf sexuellem Missbrauch ausgesetzt sein könnten, ohne aufzuwachen. Das sei auch ohne Drogen möglich. Auf die Kernfrage, ob die Frau in den Videos wirklich schlief, legte er sich nicht fest: Hundertprozentige Sicherheit sei ohne Untersuchungen nicht zu erlangen. Dennoch hält er es nach seiner Einordnung für wahrscheinlicher, dass die Frau schlief, als dass sie gedopt war. In dem Verfahren war zuvor bereits thematisiert worden, dass die Betroffene ihren Zustand auf Bildern als reglos und kraftlos wahrnahm, und enge Vertraute beschrieben, wie verstört sie später wirkte. Nun rückt die Expertise des Schlafmediziners ins Zentrum – sie soll klären helfen, ob die gezeigten Handlungen auftraten, während die Frau schlicht schlafend wehrlos war.





