Prozesstag 9: Marius Borg Hoibys verdächtige App & Zeugen

Prozesstag 9: Marius Borg Hoibys verdächtige App & Zeugen

- Theresa Neureuter
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Marius Borg Høiby (29) muss sich heute erneut im Gerichtssaal in Oslo verantworten: Es ist der neunte Vernehmungstag – und der hat es in sich. Der ehemalige Kripos-Ermittler Stig Berg Larsen sagte laut Zeitung Verdens Gang zunächst aus, dass der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) am 24. März 2024 um 10:02 Uhr eine Verschlüsselungsapp namens Private Photo Vault erworben haben soll – lediglich zwei Stunden nach der mutmaßlichen Vergewaltigung, die sich laut Anklageschrift um circa 08:10 Uhr ereignet haben soll. Auf dem beschlagnahmten iPhone 15 von Marius wurden in dieser App sexualisierte Videos gefunden, die für den Fall relevant sind, sowie ein Screenshot des Snapchat-Benutzernamens des mutmaßlichen Opfers. Mit Beginn der dritten Prozesswoche konzentriert sich das Gericht weiterhin auf die dritte mutmaßliche Vergewaltigung sowie erstmals auf einen vierten Fall vom November 2024, bei dem der 29-Jährige ein mutmaßliches Opfer im Schlaf ohne Geschlechtsverkehr sexuell missbraucht haben soll.

Der norwegische Schlafexperte Dr. Ståle Pallesen belastete Marius zudem vor Gericht mit seinen Gutachten. Der Professor hatte Videos analysiert, die auf dem Handy des Angeklagten sichergestellt wurden. "Auf diesen Videos wirkt sie unbeweglich. Dies steht im Einklang mit der Annahme, dass die Geschädigte in einen Zustand geraten sein könnte, in dem sie nicht in der Lage ist, sich den Handlungen zu widersetzen", erklärte er laut der Zeitung. Die Frau hatte zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat Alkohol und Schlafmittel konsumiert. Der Schlafforscher betonte, dass man unter solchen Umständen innerhalb von 30 Sekunden einschlafen könne und aufgrund der Schläfrigkeit nicht verstehen könne, was geschehe. Später am Tag sollen auch der Vater und eine Freundin des dritten mutmaßlichen Opfers sowie ein Zeuge einer Anlaufstelle für Gewaltopfer aussagen.

Marius erschien zum Verhandlungstag in einem grauen Pullover und weißem T-Shirt im Osloer Gerichtssaal und nahm zwischen seinen Verteidigern Petar Sekulić und Ellen Holager Andenæs Platz. Dem 29-Jährigen werden insgesamt vier mutmaßliche Vergewaltigungen vorgeworfen, drei davon ohne und eine mit Geschlechtsverkehr. In allen vier Fällen plädiert er auf nicht schuldig. Die mutmaßlichen Taten sollen unter Alkoholeinfluss in den frühen Morgenstunden nach Partys stattgefunden haben. Während sein royales Umfeld im Gerichtssaal an Prozesstag 8 eine große Rolle spielte, richten sich diesmal alle Blicke auf die Aussagen der Zeugen, die Schilderungen der Betroffenen und die Auswertung der digitalen Spuren, die der junge Norweger auf seinem Handy und in den fraglichen Nächten hinterlassen haben soll.

Marius Borg Høiby beim 25-jährigen Thronjubiläum von König Harald in Trondheim, 23. Juni 2016
Imago
Marius Borg Høiby beim 25-jährigen Thronjubiläum von König Harald in Trondheim, 23. Juni 2016
Gerichtszeichnung von Marius Borg Hoiby am ersten Prozesstag in Oslo
Imago
Gerichtszeichnung von Marius Borg Hoiby am ersten Prozesstag in Oslo
Marius Borg Høiby und Mette-Marit von Norwegen
Getty Images
Marius Borg Høiby und Mette-Marit von Norwegen