Howard Carpendale könnte heute keine großen Hits mehr landen
Howard Carpendale (80) spricht ungewöhnlich offen über seine Zweifel an der heutigen Musikbranche. In der Gesprächsreihe "Clasen Talk" der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt der Schlagersänger, dass er in der aktuellen Zeit keinen großen Hit mehr landen könnte. Obwohl er mit Songs wie "Hello Again" und "Ti Amo" ganze Generationen prägte, glaubt der Musiker, dass die Bedingungen für Erfolg sich komplett verändert haben. Der 80-Jährige lebt heute in Starnberg und schaut von dort aus auf eine Musiklandschaft, die seiner Ansicht nach von Streaming und künstlicher Intelligenz dominiert wird – und in der für Klassiker wie seine kaum noch Platz sei.
Im Talk führt Howard aus, warum er so ernüchtert auf das heutige Geschäft blickt. Jeden Tag würden weltweit bereits rund 80.000 neue Songs auf die Plattformen gespült, erzählt er. Die Entwicklung sei aber noch lange nicht am Ende: "Ich höre, es wird irgendwann zwischen einer halben Million und einer Million Titel sein." Unter solchen Mengen einen Song herauszubringen, der sich wirklich durchsetzt, hält der Sänger für fast ausgeschlossen. "Ich rechne nicht damit, dass ich jemals wieder einen großen Hit haben würde", sagt Howard im Gespräch. Gerade jungen Talenten macht er deshalb wenig Hoffnung. Sein drastischer Rat: "Lern mal Basketball. Da hast du mehr Chancen, ein Leben zu führen als mit Musik."
Dass Howard diese Worte ausgerechnet selbst ausspricht, wirkt vor dem Hintergrund seiner Karriere besonders deutlich. Der Musiker wurde 1946 im südafrikanischen Durban geboren und startete in den 60er-Jahren in Deutschland durch, seine erste Single "Lebenslänglich" erschien 1966. Im Laufe der Jahrzehnte verkaufte der Künstler nach Angaben seiner Plattenfirma mehr als 65 Millionen Tonträger und wurde unter anderem mit dem Echo geehrt. Mit Balladen und gefühlvollen Schlagerhits begleitete er unzählige Paare bei Hochzeiten, Tanzabenden und Erinnerungsmomenten. Privat hielt sich Howard trotz seines Erfolgs meist eher zurück und ließ vor allem seine Musik für sich sprechen – Lieder, die für viele Fans bis heute mit persönlichen Geschichten, Beziehungen und gemeinsamen Erlebnissen verbunden sind.








