Mario Adorfs "Nachts, wenn der Teufel kam" neu aufgelegt
Ein Klassiker kehrt zurück: Kurz nach dem Tod von Mario Adorf (†95) am 8. April 2026 erscheint sein Durchbruchsfilm "Nachts, wenn der Teufel kam" neu fürs Heimkino. Am 2. Juli 2026 bringt das Label Filmjuwelen den 1957er-Thriller als DVD und Blu-ray heraus – und das in einer Edition, die den kontroversen Hintergrund des Films ausdrücklich thematisiert. Mario hatte in dem Schwarz-Weiß-Krimi eine seiner ersten großen Kinorollen gespielt und damit den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere gelegt. Der Film feierte seinerzeit enorme Erfolge: Allein in Westdeutschland sahen ihn über 3,5 Millionen Menschen im Kino, er wurde beim Deutschen Filmpreis vielfach ausgezeichnet und erhielt außerdem eine Oscar-Nominierung als bester internationaler Film, wie Filmstarts berichtet.
Die neue Edition enthält neben einem digitalen Booklet eine 13-minütige Featurette namens "Armer Bruno", in der Mario den Film selbst kritisch einordnet. Denn was lange als packendes Krimidrama über die Machenschaften des NS-Regimes galt, entpuppte sich im Laufe der Jahrzehnte als historisch höchst problematisch. Im Film spielt Mario den geistig unzurechnungsfähigen Hilfsarbeiter Bruno Lüdke, dem mehrere Morde angelastet werden – eine Darstellung, die auf einer Artikelserie des Populärwissenschaftlers Will Berthold basierte. Bereits kurz nach der Uraufführung kamen erste Zweifel auf, ob die geschilderten Ereignisse wirklich der Wahrheit entsprechen. 1994 kam der niederländische Hauptkommissar J. A. Blaauw schließlich zu dem Schluss, dass Bruno unschuldig war und Nazis ihm die ungeklärten Morde angehängt hatten.
Mario zeigte sich von diesen Erkenntnissen tief erschüttert und distanzierte sich von seinem eigenen Leinwanddurchbruch. In der TV-Dokumentation "Die Erfindung eines Mörders. Der Fall Bruno Lüdke" erklärte er: "Ich habe jemandem Unrecht getan in der Darstellung. Also das heißt: Ich habe mitgeholfen – eben über Jahrzehnte –, ein negatives Bild, das Bild eines Massenmörders, zu zeichnen. [...] Ich habe ihm, seiner Familie und so weiter einen schlechten Ruf verschafft, den er nicht verdient hat. Im Gegenteil: Er war sogar ein Opfer." Der Schauspieler setzte sich daraufhin aktiv dafür ein, Brunos Ruf zu rehabilitieren. So war er 2021 mitverantwortlich dafür, dass zu seinen Ehren ein Stolperstein verlegt wurde.





