John Lennons bewegendes Interview kurz vor seiner Ermordung
Nur wenige Stunden bevor John Lennon (†40) am 8. Dezember 1980 vor seinem New Yorker Apartment erschossen wurde, sprach der Beatles-Star in einem Radiointerview über seine Zukunft – und ahnte nicht, wie tragisch dieser Tag enden würde. Für den RKO-Sender saßen John und seine Frau Yoko Ono (93) im berühmten Dakota-Building dreieinhalb Stunden lang vor den Mikrofonen, wie der neue Dokumentarfilm "John Lennon: The Last Interview" zeigt, der jetzt beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte. In der Doku, inszeniert von Starregisseur Steven Soderbergh (63), ist gleich zu Beginn ein Satz zu hören, der heute unter die Haut geht: "Ich betrachte meine Arbeit erst dann als beendet, wenn ich tot und begraben bin, und ich hoffe, dass das in sehr, sehr ferner Zukunft liegt", sagt John in dem Mitschnitt, nur wenige Stunden bevor ihn eine Kugel niederstreckte.
Das Radiointerview entstand, weil John und Yoko Ono kurz zuvor ihr gemeinsames Album "Double Fantasy" veröffentlicht hatten. In der von Steven für den Film verdichteten Fassung spricht der Ex-Beatle über Kunst, Familie und Politik. Er schildert sein Comeback nach fünfjähriger Musikpause mit der drastischen Formulierung "Durchfall an Kreativität" und erzählt, wie die Songs plötzlich wieder zu ihm kamen. Über die Arbeit mit Yoko sagt der Sänger: "Es ist eine Freude", und kündigt an, gemeinsam ein zweites, vielleicht sogar ein drittes Album anzugehen. Außerdem nennt er Yoko und Paul McCartney (83) als die beiden einzigen Partner, mit denen er je längerfristig zusammenarbeitete. Thema ist auch John F. Kennedy (†46): John spricht darüber, dass der Präsident bis heute als Hoffnungssymbol gesehen werde – und fragt sich, was er wohl bewirkt hätte.
Besonders persönlich wird das Interview, als John über sein Familienleben spricht. Der "Imagine"-Interpret nennt Sohn Sean, den er mit Yoko großzog, liebevoll seinen "Zwilling" und schildert einen typischen Tag mit dem damals Fünfjährigen, der ihm geholfen habe, authentischer zu werden. Auch sein ältester Sohn Julian aus der Ehe mit Cynthia Powell kommt zur Sprache: John zeigt sich selbstkritisch und bedauert, in dessen Kindheit oft abwesend gewesen zu sein. Yoko und der Musiker erinnern sich außerdem an die Höhen und Tiefen ihrer Beziehung, sprechen über Trennung, Versöhnung und ihre ganz eigene Arbeitsweise als Paar. Regisseur Steven Soderbergh erklärte im Gespräch mit Variety, er sei überrascht gewesen, wie gelöst und offen John und Yoko in dem alten Mitschnitt wirken: "Sie waren beide so frei", sagte der Filmemacher und betonte, dass viele ihrer Aussagen zu Liebe, Beziehungen, Politik und dem Umgang miteinander heute sogar noch aktueller wirkten als damals.








