Andrew Lloyd Webbers Nüchternheit belastet eine Freundschaft

Andrew Lloyd Webbers Nüchternheit belastet eine Freundschaft

- Anita Ehlert
Lesezeit: 3 min
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Zwischen Andrew Lloyd Webber (78) und Tim Rice kriselt es: Grund ist die Londoner Fassung des Musicals "Sherlock Holmes and the 12 Days of Christmas". Sechs Songs, die das Duo für eine frühere Aufführung in Birmingham geschrieben hatte, fliegen aus der Show und werden durch Musik von Howard Goodall ersetzt. Über die Hintergründe gehen die Darstellungen der Weggefährten weit auseinander: Tim macht Andrew für den Rückzug verantwortlich, der Komponist verweist dagegen auf Forderungen von Tims Kindern, die das Stück produzieren. Ein Vertrauter des Musicalmachers bringt gegenüber der Daily Mail dessen neu gewonnene Klarheit nach dem Alkoholentzug mit seiner Haltung in dem Konflikt in Verbindung. Damit steht die Frage im Raum, ob seine Nüchternheit die 60-jährige Freundschaft der beiden belastet. Im April hatte Andrew öffentlich gemacht, alkoholkrank gewesen zu sein. Nach einer Abwärtsspirale und großer Sorge seiner Familie ging er in eine Entzugsklinik, besuchte die Anonymen Alkoholiker, nahm weitere Unterstützung an und versteigerte seine gesamte Weinsammlung.

Der Komponist selbst erklärt, das Produktionsteam habe seine Musik aus zwei Gründen nicht weiterverwenden wollen. Einerseits wären zusätzliche Arbeiten nötig gewesen, für die ihm sein Terminkalender keine Zeit gelassen habe. Zum anderen habe er seine Rechte abgeben sollen. Gegenüber der Daily Mail betont er: "Ich wurde gebeten, meine Rechte im Voraus für fünf Jahre abzutreten, ohne irgendein Zustimmungsrecht hinsichtlich ihrer Verwendung in einer Produktion, die ich nicht gesehen hatte, und mit einem Team, mit dem ich noch nie gearbeitet hatte!" Ein Vertrauter bezeichnet den Konflikt als Prinzipienfrage zur Vergütung kreativer Urheber, zugleich aber auch als überzogenen Kleinkonflikt. Andrews neue Klarheit habe seine Ablehnung der Bedingungen begünstigt. Tim schildert es gegenüber The Times anders: "Andrew wollte wirklich nicht mit der Show weitermachen. Andrew beschäftigt sich eher mit viel größeren Produktionen." Wegen dessen Theaterunternehmen habe man sich einvernehmlich für einen Neustart entschieden.

Kennengelernt hatten sich die beiden 1965: Damals bot der 20-jährige Tim dem erst 17 Jahre alten Andrew seine Dienste als moderner Liedtexter an. Aus der Begegnung entstand eine der bekanntesten Partnerschaften des Musiktheaters. Gemeinsam schufen sie Klassiker wie "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat", "Jesus Christ Superstar" und "Evita". Reibungen gab es schon 1975 während der Arbeit an "Jeeves": Tim wollte das Projekt abbrechen und stattdessen "Evita" angehen, während Andrew daran zunächst kein Interesse hatte. Nach "Evita" gingen die beiden beruflich getrennte Wege, fanden später aber immer wieder zusammen. Ein Vertrauter bezeichnet die beiden gegenüber Daily Mail trotz regelmäßiger Spannungen als echte Freunde. Viel Zeit verbrächten sie nicht miteinander, möglicherweise sähen sie sich nur ein- oder zweimal im Jahr – dann aber sehr herzlich. Früher habe sich Andrew neben Tim unscheinbar und in dessen Schatten gefühlt. Dass sie einander verbunden, aber kaum in den Alltag des jeweils anderen eingebunden seien, habe ihre Beziehung schon lange geprägt.

Andrew Lloyd Webber, Musikkomponist
Getty Images
Andrew Lloyd Webber, Musikkomponist
Tim Rice und Andrew Lloyd Webber bei der "Evita"-Premiere am 5. April 2012 im Marquis Theatre in New York
Getty Images
Tim Rice und Andrew Lloyd Webber bei der "Evita"-Premiere am 5. April 2012 im Marquis Theatre in New York
Komponist Andrew Lloyd Webber mit seinem Schreibpartner und Liedtexter Tim Rice
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Komponist Andrew Lloyd Webber mit seinem Schreibpartner und Liedtexter Tim Rice
Was glaubt ihr: Wie geht es für Andrew und Tim nach diesem Streit weiter?