Gerade mal 24 Jahre alt und schon bis zum Kinn in der Schuldenfalle versunken: Betty Spannseiler aus Wien hatte einen Traum. Sie startete mit ihren Eltern das Szene-Restaurant „Mäx“ als Homage an ihren verstorbenen Bruder. Doch der Absturz kam schnell – nach zwölf Monaten wurde der Traum zum Terror. Fast hunderttausend Euro Schulden auf der Bank, aber keine Kunden im Lokal. Die Insolvenz steht drohend vor der Tür.

Ein heftiges Problem, auch für Christian Rach (54), der sich in Rach, der Restauranttester um Hilfe bei der Traum-Rettung bemühte. Er checkte das Lokal ab, in dem Betty und ihre Mutter Barbara die Küche schmeißen und probierte Braten, Schnitzel und Suppe. Attribute wie „fettig“ und „Kantinen-Essen“ schossen ihm in den Kopf. Bettys Mutter setzte ihre Kenntnisse aus der urigen Dorf-Küche um, doch im hippen Wien möchte niemand etwas davon wissen. Betty selbst traute sich nicht dagegen zu halten, viel zu unsicher zeigte sie sich. Für Christian Rach war klar: „Wir haben hier ein Generationsproblem!“

Das Restaurant teilweise hip eingerichtet, die Küche klassisch und fettig. „Schaff dir mal hier die ideale Welt. Wie sieht die ideale Welt hier aus?“ fragte er Betty. „Bunt und gemütlich“, antwortete sie. „Riecht es hier nach Sauerkraut?“ fragte er weiter, während sih Betty mit geschlossenen Augen an ihren Traum erinnerte. „Nein. Nach Fisch und Rindfleisch und frischem Gemüse“, bekam Christian Rach zur Antwort. Für ihn war klar: Es kann nur eine geben! Betty musste versuchen, das Zepter in die Hand zu nehmen und eine leichte Küche im angenehmen Ambiente zu zaubern. Doch das Risiko wirkte bedrohlich: „Erwachsen werden – eine teure Erfahrung“, warnte der Restaurant-Tester und fügte hinzu: „Du brauchst ein paar Leute, die das hier mit Wiener Charme verkaufen.“

Rach war guter Hoffnung, blieb dabei aber abwartend: „Es gibt so Situationen, da reiche ich die Hand und sage: 'So machen wir's!', aber darf ich noch etwas zögern?“ fragte er und Betty bejahte dies sorgenvoll. Mit einer Karte voller frischer Bio-Produkte, neuer Einrichtung und einigen kleinen Ideen wurde dann aus dem „Mäx“ das „B-Mäx“, aber Rach warnte weiter: „Es geht nicht darum, dass man die Gerichte, die wir zusammen erarbeitet haben, monatelang praktiziert und lässt, sondern dass man das Prinzip versteht und es erweitert.“

Sechs Wochen nach dem Neustart kam Christian Rach wieder, um zu schauen, ob die erfolgreiche Wendung angelaufen ist. Er war sichtlich angetan und auch das Testessen begeisterte ihn. „Jetzt schaut's nett und frisch und hip aus!“ bestätigte ein weiblicher Gast und Rach lobte Betty mit Überzeugung: „Du warst ein 'kleines Dingelchen', jetzt bist du eine Chefin!“ Die Wende hat Betty geschafft, aber das Restaurant-Business ist unglaublich hart. Die Öffnungszeiten sind seit dem Neustart länger, die Arbeit mehr geworden. Man kann der Österreicherin nur wünschen, dass sie sich mit ihrem Traum wieder komplett aus den Schulden herausarbeiten kann.

Christian Rach, 2016
Getty Images
Christian Rach, 2016


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