Es kam langsam und schleichend, aber im Mai bekamen wir es schließlich doppelt und dreifach zu spüren. "Ich bin wieder zurück!", schien der Schlager aus voller, geschwellter Brust zu schreien. In weiten Kreisen verpönt und verspottet, floh er für lange Zeit an einen fernen Ort namens Ballermann, fand hier bei uns nur entweder in Omis Wohnzimmer oder in vereinzelten Großraum-Diskotheken Unterschlupf, wo er nur mit entsprechendem Promille-Pegel in den frühen Morgenstunden gebührend gefeiert wurde. Ein trostloses Dasein, dem eine Schweizerin kürzlich ein Ende bereitete.

Beatrice Egli (25) machte den Schlager wieder salonfähig, schaffte es nicht nur junge Menschen wieder dafür zu begeistern, sondern auch in einem Bewerber-Pool aus über 32.000 Soul-, R 'n B, Rock- und Pop-Sängern herauszustechen und sich den Titel "Deutschlands Superstar" unter den Nagel zu reißen. Nachdem bereits in den vergangenen Staffeln immer wieder Schlager-begeisterte Kandidaten ihr Glück versucht hatten und trotz staffelweise wachsendem Erfolg des Musikstils früher oder später gescheitert waren, hatte Beatrice Egli zum ersten Mal das Unmögliche geschafft. Das blieb natürlich auch für DSDS nicht folgenlos. Besonders Poptitan Dieter (59) hatte schon länger den wachsenden Hype verfolgt, übte sich jedoch bis auf einige Sympathie-Bekenntnisse lange Zeit in Zurückhaltung. Damit war allerdings spätestens nach der positiven Reaktion auf die Schweizerin Schluss. Nachdem Bohlen noch in selbige Staffel Schlager-Star Andrea Berg (47) als Gast-Jurorin lud, machte er für die kommende Staffel Nägel mit Köpfen. So wird ab Januar Marianne Rosenberg (58) als vollwertiges Mitglied in der DSDS-Jury sitzen. Dass damit der Weg für eine gehörige Portion mehr Schlager geebnet wurde, ist offensichtlich. Wird "Deutschland sucht den Superstar" künftig also zu "Deutschland sucht den Schlagerstar?"

Ganz abwegig wäre das nicht. Schließlich ist DSDS ja bekannt dafür, gerne mal zu übertreiben. So hieß es in Staffel sechs beispielsweise, man wolle einen größeren Fokus auf den dokumentarischen Aspekt legen. Gesagt, getan. Prompt wurde mit hoch emotionalen Hintergrundstorys kräftig auf die Tränendrüse der Zuschauer gedrückt, ganz nach dem Motto: Hauptsache die Quote stimmt. Schon eine Staffel später betrieb RTL das Ganze allerdings in solchem Übermaß, dass die Show mit extremen Image-Problemen zu kämpfen hatte und der musikalische Fokus unter der Kandidaten-Inszenierung zu schwinden schien. Könnte den Schlager nun ein ähnliches Schicksal ereilen? Kaum hat man die Lukrativität der fröhlichen Volksmusik entdeckt, scheint man sie wieder überreizen zu wollen, indem man sie in personifizierter Form gleich ans Jury-Pult setzt. Wird man dem Schlager damit eher den Garaus machen, als ihn zu fördern?

Diese Frage werden wir erst ab Januar beantworten können. Fakt ist allerdings, dass allein die Präsenz der 58-Jährigen mehr Schlager-Interpreten als sonst zu einer Teilnahme an der Show ermutigen dürfte. Fairerweise sollte man das Ganze trotzdem nicht voreilig verurteilen. Schließlich werden mit Kay One (29) und Mieze Katz (34) auch noch zwei Vertreter anderer Musikrichtungen in der Jury sitzen, die für eine ausgewogene Kandidaten-Mischung sorgen können. Und darüber hinaus muss Mariannes eigene Berufung ja nicht zwingend maßgeblich für den Ausgang der Show sein. Immerhin brachte die letzte Jury, die meilenweit von Schlager entfernt war, eben diesen groß raus. Wer weiß also? Vielleicht überrascht das Team um Marianne dann ja auch mit etwas völlig Unerwartetem? Wir sind jedenfalls jetzt schon gespannt.

RTL / Stefan Gregorowius
Marianne RosenbergWENN
Marianne Rosenberg
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