So unterschiedet sich das "Wuthering Heights"-Buch zum Film
Emerald Fennell (40) bringt mit ihrem neuen Film "Wuthering Heights" eine wilde Neuinterpretation von Emily Brontës Klassiker ins Kino und das ganz bewusst fern der Vorlage. Wer? Jacob Elordi (28) als Heathcliff und Margot Robbie (35) als Catherine. Was? Eine Romantasy-Version mit expliziter Affäre, Sadomaso-Momenten und surrealen Sets statt düsterem Gothic-Realismus. Wann und wo? Aktuell im Kino, erstmals gezeigt vor einem begeisterten, teils korsetttragenden Publikum. Mit wem? Unter anderem mit Hong Chau als Nelly und Shazad Latif als Edgar – besetzt nach dem Prinzip Colorblind Casting. Schon nach den ersten Szenen ist klar: Hier wird nicht treu adaptiert, hier wird hemmungslos umgedeutet.
Die größten Abweichungen: Emerald altert die Figuren kräftig hoch, lässt die verschachtelte Romanstruktur fallen und konzentriert sich ganz auf die verhängnisvolle Liebe zwischen Heathcliff und Catherine bis zu ihrem Tod. Die berühmte zweite Generation mit Cathy II, Linton und Hareton fehlt vollständig, ebenso der Rahmen durch Mr. Lockwood. Statt der windgepeitschten Erdung des Originals setzt das Team auf Albtraum-Poesie: schwitzende Mauern, "tumorartige" Felsen, ein Kronleuchter am Nabelstrang – Architectural Digest zitierte Ausstatterin Suzie Davies mit dem Ziel, das Anwesen "lebendig" wirken zu lassen. Brisanz liefern Emeralds neu eingeführte Dom/Sub-Spielarten: Isabella wird zur freiwilligen Sub, es gibt Stallszenen mit Bondage-Anklängen, und Heathcliff und Catherine haben eine monatelange, deutlich gezeigte Affäre – ein radikaler Bruch mit dem buchgetreuen, unterdrückten Begehren. Auch Heathcliffs Herkunft bleibt im Film nebulös; statt textnaher Andeutungen zählt hier vor allem Jacob als Projektionsfläche.
Hinter den Kulissen steckt viel Persönliches: Emerald erklärte laut Brontë Women’s Writing Festival, das Buch habe sie als Teenagerin "aufgebrochen" – ihre Verfilmung wirkt wie eine freimütige Fantasie über erste Sehnsüchte. Margot, deren Firma LuckyChap produziert, bat Emerald direkt um die Rolle der Catherine; der Wunsch, die Ikone selbst zu spielen, prägte die Altersanpassung hörbar mit. Jacob erinnerte Emerald optisch an die Heathcliff-Illustration auf ihrem Jugendcover – ein Bauchgefühl, das gegen textkritische Deutungen standhielt. Für Fans des Klassikers ist diese "Wuthering Heights"-Version damit weniger Pflichtlektüre als rauschhafte Projektionsfläche, die den Mythos in zeitgenössische Popbilder übersetzt und im Kinosaal zwischen Kichern, Keuchen und kollektivem Kopfschütteln ihren eigenen Reiz entfaltet.












