Frauen auf Quoten-Vormarsch: Comedians haben das Nachsehen

Frauen auf Quoten-Vormarsch: Comedians haben das Nachsehen

- Carina Bukenberger
Lesezeit: 2 min

Am Donnerstagabend blieben gleich zwei namhafte Shows bei RTL deutlich hinter den Erwartungen zurück: Mario Barth (53) trat zur Primetime mit seiner Sendung "Mario Barth präsentiert: Die größten Stars der Comedy" an, konnte jedoch nur 950.000 Zuschauer vor die Bildschirme locken. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte die Show einen enttäuschenden Marktanteil von 4,2 Prozent. Im Anschluss daran verschlechterte sich die Situation weiter, als die "Stefan Raab Show" auf ihrem neuen Sendeplatz um 22:45 Uhr ausgestrahlt wurde. Gerade einmal 370.000 Menschen schalteten ein, und auch hier blieben die Zahlen mit einem Marktanteil von 4,1 Prozent alarmierend niedrig. Was ein großer Teil der anvisierten Altersgruppe stattdessen guckte? Eine Show, die weniger mit Boomer-Humor überzeugt, sondern mit High Heels, Haute Couture und einer ordentlichen Portion Heidi-Charme.

ProSieben blieb mit Heidi Klums (52) Castingshow Germany's Next Topmodel am Donnerstag klarer Marktführer, auch wenn frühere Spitzenwerte nicht mehr erreicht wurden. Marios Comedyshow ging unterdessen zwischen Olympia-Übertragungen und Modelcasting nahezu unter und landete nur knapp vor einer Wiederholung des "1% Quiz" bei Sat.1, die 3,8 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe erzielte. Für den Comedian, der bei RTL jahrelang als verlässliche Quotenmaschine galt, ist das ein spürbarer Dämpfer. Stefan hingegen musste nach zwei Wochen im starken Umfeld des Dschungelcamps bereits auf den späten Abend ausweichen – und verlor dort im Alleingang weiter an Reichweite. Parallel punkteten die Konkurrenten mit einem bunten Mix: Bei Vox holten "Illuminati" und "Unstoppable – Außer Kontrolle" solide Quoten von 6,8 und 7,6 Prozent, RTLzwei überzeugte mit "Reeperbahn privat" (5,5 Prozent), Kabel Eins mit "Achtung Abzocke" (5,4 Prozent).

Für Mario und Stefan wirken die Jahre unangefochtener Quotenhoheit zunehmend wie ein Kapitel aus einer anderen Fernseh-Ära. Beide prägten über lange Zeit den Mainstream, füllten Hallen, setzten Trends, galten als verlässliche Reichweiten-Garanten. Doch schwächere Zahlen nähren Zweifel an der Strahlkraft ihrer Formate, insbesondere in jungen Zielgruppen, wo Aufmerksamkeit heute fragmentierter, Loyalität flüchtiger ist. Parallel verschieben sich Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen: Frische Erzählweisen, größere Diversität und starke weibliche Rollenbilder gewinnen an Zugkraft. Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" dienen dabei längst nicht nur der Unterhaltung, sondern bieten Identifikationsflächen sowie Nährboden für gesellschaftliche Debatten. Das Kräfteverhältnis im deutschen Fernsehen scheint sich damit langsam aber sicher neu zu ordnen – weniger geprägt von einzelnen männlichen Charakterköpfen, stärker von Konzepten, Haltungen und dem Gespür für kulturellen Zeitgeist zugleich.

Heidi Klum mit den GNTM-Kandidatinnen, 2026
ProSieben
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Mario Barth im November 2016 in Köln
Getty Images
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Stefan Raab in "Stefan und Bully gegen irgendson Schnulli", 29.11.2025
RTL / Raab Entertainment / Julia Feldhagen
Stefan Raab in "Stefan und Bully gegen irgendson Schnulli", 29.11.2025
Hat "Germany's Next Topmodel" aktuell zurecht die Nase vorn?