Ohne Frau an Seite: Prozess um Nicolas Sarkozy geht weiter

Ohne Frau an Seite: Prozess um Nicolas Sarkozy geht weiter

- Janine Karrasch
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Es war ein Auftritt, der Fragen aufwarf – nicht nur wegen der schweren Vorwürfe, die im Saal lasteten. Nicolas Sarkozy (71), ehemaliger Staatspräsident Frankreichs und mittlerweile ein alter Bekannter französischer Gerichtssäle, erschien am Montag (16. März) zum Beginn seines neuen Berufungsverfahrens. Und er erschien allein. Keine Carla Bruni Sarkozy (58) an seiner Seite, keine stützende Hand, kein vertrautes Gesicht aus der Familie. Dabei betrat er das ehrwürdige Palais de Justice auf der Pariser Île de la Cité, schüttelte Anwälten und Sicherheitskräften die Hände – und nahm seinen Platz ein. Ein Insider, der sowohl ihn als auch seine Frau kennt, bestätigte gegenüber der Bild, dass es der ehemaligen First Lady nicht gut gehe. Mehr ist dazu nicht bekannt.

Im Zentrum des Verfahrens steht der Verdacht, dass Nicolas seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 mit Geld aus Libyen finanziert haben soll – damals noch unter dem Regime des Wüstendiktators Muammar Gaddafi. In erster Instanz befanden die Richter, dass enge Mitarbeiter des Ex-Präsidenten in seinem Auftrag Verhandlungen mit der libyschen Staatsführung geführt hatten, um illegale Gelder zu beschaffen. Das Urteil: fünf Jahre Haft wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Den direkten Korruptionsvorwurf konnten die Richter damals nicht eindeutig beweisen – zu viele Fragen blieben offen, unter anderem, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist und wo es am Ende landete. Nicolas legte Berufung ein, seitdem läuft die Uhr in einem neuen Anlauf. Das Verfahren soll bis Anfang Juni andauern – das Urteil wird danach erwartet.

Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis nach nur knapp drei Wochen Ende 2025 führen Nicolas und Carla ein weitgehend zurückgezogenes Leben. Nach der Verurteilung postete Carla ein gemeinsames Foto und schrieb "Liebe ist die Antwort" dazu. Weihnachten verbrachte das Paar gemeinsam mit Tochter Giulia auf der Karibikinsel Guadeloupe – die als französisches Überseegebiet noch innerhalb seiner Auflagen lag. Carla tauchte zwar kurz bei der Haute-Couture-Woche in Paris auf, doch ihr sonst so aktiver Online-Auftritt ist verstummt. Die emotionalen Videos, in denen sie während seiner Haftzeit singend Kraft spendete, sind von Instagram verschwunden. Nicolas selbst ist längst nicht mehr der rastlose Politiker von einst – zumindest nicht öffentlich. Dabei drohen ihm in diesem Berufungsverfahren im schlimmsten Fall bis zu zehn Jahre Haft. Für Nicolas steht bei diesem Prozess mehr auf dem Spiel als je zuvor – und seine Frau schaut diesmal (noch) nicht zu.

Nicolas Sarkozy trifft zur Berufungsverhandlung am Pariser Berufungsgericht ein, 2026
Getty Images
Nicolas Sarkozy trifft zur Berufungsverhandlung am Pariser Berufungsgericht ein, 2026
Giulia Sarkozy und Carla Bruni vor dem Haus von Nicolas Sarkozy in Paris, Oktober 2025.
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Giulia Sarkozy und Carla Bruni vor dem Haus von Nicolas Sarkozy in Paris, Oktober 2025.
Nicolas Sarkozy verlässt gemeinsam mit Carla Bruni-Sarkozy seine Pariser Wohnung, 2025
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Nicolas Sarkozy verlässt gemeinsam mit Carla Bruni-Sarkozy seine Pariser Wohnung, 2025
Carla fehlt beim Prozessauftakt – wie bewertet ihr ihr Fernbleiben?