

Frauen in der Formel 1: Oft im Schatten, aber immer präsent
Anlässlich des 85. Geburtstages von Lella Lombardi blickt die Formel-1-Welt auf eine Geschichte zurück, die größer ist als nur eine einzelne Fahrerin, wie Motorsport berichtet. Die Italienerin ist bis heute die einzige Frau, die jemals Weltmeisterschaftspunkte in der Formel 1 geholt hat – und das unter denkbar tragischen Umständen. Beim Großen Preis von Spanien 1975 wurde das Rennen nach einem schweren Unfall mit dem Fahrzeug von Rolf Stommelen abgebrochen, bei dem vier Zuschauer ums Leben kamen. Weil die volle Renndistanz nicht absolviert wurde, gab es nur halbe Punkte – und so erzielte Lella historisch gesehen exakt einen halben Punkt. Eine Zahl, die seitdem für weit mehr steht als ein bloßes Ergebnis.
Lellas Weg dahin war alles andere als einfach. Geboren im Piemont als Tochter eines Metzgers, entdeckte sie ihre Leidenschaft hinter dem Steuer, als sie als Auslieferungsfahrerin für den Familienbetrieb arbeitete. Nachdem sie 1968 erste Wettbewerbserfolge feierte und 1971 die Formel-850-Meisterschaft gewann, kämpfte sie sich Schritt für Schritt nach oben. In der Formel 1 startete sie ab 1975 für March Engineering – als erste Frau seit der Italienerin Maria Teresa de Filippis, die sich 1958 für einen Grand Prix qualifiziert hatte. De Filippis musste damals noch hören, dass "der einzige Helm, den eine Frau tragen sollte, der beim Friseur ist". Lella hingegen holte Punkte. Seit ihr haben nur noch drei weitere Frauen versucht, an einem Formel-1-Rennen teilzunehmen – Divina Galica, Desire Wilson und Giovanna Amati.
Frauen waren im Motorsport jedoch nie völlig abwesend – nur selten im Rampenlicht. Abseits der Rennstrecke hielten sie lange Zeit mit Stoppuhren in der Hand die Rundenzeiten fest, da ihre Beziehungen zu den Fahrern ihnen Zugang zum Fahrerlager verschafften. Und auch in ganz anderen Zusammenhängen schrieben Frauen Automobilgeschichte: Queen Elizabeth II. (†96) trat während des Zweiten Weltkriegs dem Auxiliary Territorial Service bei, wo sie als Fahrerin und Mechanikerin ausgebildet wurde. Sie reparierte Lastwagen und Krankenwagen und verdiente sich dabei den Spitznamen "Princess Auto Mechanic". Heute sind Frauen in der Formel 1 zunehmend in technischen und strategischen Rollen vertreten – so etwa Hannah Schmitz als Chefingenieurin bei Red Bull oder Laura Müller als Renningenieurin bei Haas.







