Sebastian Fitzeks Mutter prägte sein Gespür für Abgründe
Sebastian Fitzek (54) öffnet den Blick in seine Vergangenheit – und erzählt, wie sehr ihn die Abgründe im Job seiner Mutter geprägt haben. Der Bestsellerautor, der im August sein 20-jähriges Jubiläum als Schriftsteller auf der Berliner Waldbühne feiert, spricht im Gespräch mit Bild über die besondere Rolle seiner Mutter Christa in seinem Leben. Als Lehrerin arbeitete sie nicht an einer gewöhnlichen Schule, sondern in der Justizvollzugsanstalt Berlin Tegel: "Sie hat Volkswirtschaft studiert, ist als Quereinsteigerin in den Knastdienst und unterrichtete. Und zwar Wirtschaftsstraftäter im Fach Wirtschaft", erklärt Sebastian. Für ihn war der Beruf seiner Mutter eine frühe Konfrontation mit den dunkleren Seiten des Lebens. Auch wenn er die Anstalt selbst nie betreten durfte, regte diese Konstellation seine Fantasie früh an und schärfte seinen Blick für menschliche Abgründe.
Sebastians Mutter war es auch, die schon an den Erfolg seines ersten Thrillers "Die Therapie" glaubte, als das Buch noch gar nicht erschienen war. Als er ihr das Manuskript seines Debütromans zum Lesen gab, war sie sofort überzeugt: "Sebastian, das wird ein Bestseller." Der 54-Jährige, der mit seinen Büchern laut eigener Aussage nie 100 Prozent zufrieden ist, winkte damals noch ab. Er sollte Unrecht behalten – sie jedoch nicht mehr erleben, dass sie recht hatte. "Meine Mutter ist tatsächlich gestorben vor der Veröffentlichung meines ersten Buches", erzählt er dem Blatt. Die frühe Bestärkung seiner Mutter ist jedoch bis heute ein emotionaler Anker für den Bestsellerautor. Sebastians Vater Freimuth prägte ihn ebenfalls stark, wenn auch auf andere Weise: "Er war schon so die graue Eminenz. Eine Respekt einflößende Autorität", erinnert sich der Autor. Die konservativen Werte des Elternhauses – Fleiß, Sicherheit, ein geradliniger Lebenslauf – formten ihn, auch wenn er selbst einen alles andere als geradlinigen Weg einschlug. Er studierte zunächst Tiermedizin, wechselte dann zu Jura und arbeitete schließlich beim Radio, wo er es bis zum stellvertretenden Programmdirektor bei 104.6 RTL brachte. Als er sein erstes Manuskript fertigstellte, erntete er zunächst vor allem Absagen: "Ich schickte das Manuskript an fünfzehn Verlage. Zwölf haben sofort abgesagt und drei haben sich bis heute nicht gemeldet", erzählt er schmunzelnd.
Heute ist Sebastian nicht nur ein Bestsellerautor, sondern auch Vater von fünf Kindern in einer Patchworkfamilie. Das Vatersein beschreibt er als intensiven Prozess – anfangs geprägt von Überforderung und Erschöpfung, mit der Zeit aber von einer tiefen emotionalen Bindung. Besonders stolz ist er darauf, dass seine Tochter offenbar sein Talent abbekommen hat: "Ja, sie schreibt auch. Sie hat meine Begeisterung geerbt." Auch das Thema Tod begleitet ihn privat wie literarisch. Neben dem frühen Verlust seiner Mutter prägte ihn der ruhige Abschied seines Vaters Freimuth, der friedlich einschlief. Auf die Frage, wie er selbst sterben möchte, antwortet er im Interview schlicht: "Also bitte dann so wie mein Vater, der ist nämlich einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht." Trotz der dunklen Themen seiner Bücher betont Sebastian in Interviews immer wieder, wie wichtig ihm Mitgefühl und Hoffnung sind – und wie wertvoll eine funktionierende Familie ist. Hinter den spannungsgeladenen Bestsellern steht ein Mann, der seine Wurzeln in einem strengen, aber liebevollen Elternhaus sieht – und der den Glauben seiner Mutter an ihn bis heute als leise, aber dauerhafte Kraftquelle mit sich trägt.







