Trump verteidigt Clinton überraschend in Epstein-Skandal
Ein Schulterschluss, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Donald Trump (79) hat Bill Clinton (79) im Zusammenhang mit der Affäre um Jeffrey Epstein (†66) öffentlich in Schutz genommen – und das ausgerechnet kurz bevor Bill und Hillary Clinton (78) Ende Februar vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses aussagen sollen. In einem Interview mit NBC News zeigte sich der amtierende US-Präsident ungewohnt nachsichtig und kritisierte den politischen Druck auf den Demokraten. "Es stört mich, dass jemand Bill Clinton verfolgt. Eigentlich mag ich Bill Clinton." Donald geriet regelrecht ins Schwärmen: "Ich mag sein Verhalten mir gegenüber." Die Aussagen fielen am Mittwoch in Washington, wo die Auseinandersetzung um Anhörungen und Aktenfreigaben den Ton vorgibt.
Der Republikaner stellte sich damit gegen die Linie vieler Parteifreunde im Kongress. Die Clintons hatten sich nach monatelangem Ringen bereit erklärt, vor dem Kontrollausschuss zu erscheinen – und entgingen damit einem Verfahren wegen Missachtung des Kongresses, das bereits vorbereitet war. Hintergrund ist die langjährige Bekanntschaft von Bill mit Jeffrey, der 2019 im Gefängnis tot aufgefunden wurde und über Jahre des Missbrauchs junger Frauen und Mädchen beschuldigt wurde. Bill wird in diesem Zusammenhang kein Fehlverhalten vorgeworfen. Brisant: Auch Donald kannte den verurteilten Pädophilen früher, betont aber, sich vor Jahren mit ihm überworfen zu haben. Unter wachsendem öffentlichen Druck unterzeichnete Donald im November zudem ein Gesetz, das das Justizministerium verpflichtet, sämtliche Ermittlungsakten zu Jeffrey und Ghislaine Maxwell (64) offenzulegen. Erst am Freitag folgte eine neue gigantische Tranche – mehr als drei Millionen Seiten, dazu Tausende Videos und über 100.000 Fotos.
Jenseits der politischen Manöver verbindet die Protagonisten eine komplizierte Geschichte persönlicher Bekanntschaften und Rivalitäten. Bill und Hillary gelten seit Jahrzehnten als Fixpunkte des politischen Establishments in Washington, sind seit den 1970ern ein Paar und Eltern einer Tochter. Donald wiederum kennt die Welt der gehobenen Society aus New York aus dem Effeff, wo sich Geschäft, Charity-Galas und Politik oft mischten und Bekanntschaften wie die zu Jeffrey entstanden. In der Öffentlichkeit betonte der US-Präsident immer wieder, nichts mit dem mutmaßlichen Sex- und Menschenhandelsring des Verstorbenen zu tun gehabt zu haben. Das Justizministerium spricht im Zusammenhang mit dem veröffentlichten Material sogar von "unwahren und sensationsheischenden Vorwürfen" gegen den Präsidenten. Während die politischen Fronten verhärtet sind, zeigt sich hier eine persönliche Ebene, die alte Bekanntschaften und öffentliche Auftritte in ein neues Licht rückt.









