So wurde Ghislaine Maxwell zu Jeffrey Epsteins Komplizin

So wurde Ghislaine Maxwell zu Jeffrey Epsteins Komplizin

- Carina Bukenberger
Lesezeit: 3 min

Sie war die strahlende Millionärstochter aus gutem Hause, er der vermeintlich geniale Finanzmann mit düsterem Geheimnis: Ghislaine Maxwell (64) und Jeffrey Epstein (†66) lernten sich in den 90er-Jahren in der New Yorker High Society kennen und wurden zu einem berüchtigten Duo. Aus der glamourösen Britin, die einst in Oxford mit Kommilitonen Champagner trank, wurde die verurteilte Komplizin eines Sexualstraftäters, die laut Gerichtsbeschlüssen junge Mädchen in Jeffreys gefährliche Luxuswelt gelockt haben soll. Jetzt spricht mit Anne McElvoy erstmals eine frühere Studienfreundin ausführlich über ihre Sicht auf die Frau, die sie aus Hörsälen und Studentenpartys kannte – und die heute in einer US-Haftanstalt schweigt und auf eine mögliche Begnadigung hofft.

Anne, heute Politjournalistin, erinnert sich im Gespräch mit dem Schweizer Sender SRF an eine junge Frau, die witzig, offen und extrem gesellschaftsorientiert gewesen sei. Schon damals habe Ghislaine unter dem starken Einfluss ihres Vaters Robert Maxwell gestanden – einem umstrittenen Verleger, für den sie bei Empfängen wie eine Art Gastgeberin fungierte und dafür sorgen musste, "dass die richtigen Leute im Raum waren". Diese Rolle habe sich später fatal in ihrer Beziehung mit Jeffrey fortgesetzt. Laut Anne habe Ghislaine die jungen Mädchen, die sie ihm zuführte, nicht als Gleichgestellte wahrgenommen, sondern als "eine andere Kategorie Mensch, die zur Bedienung von Jeffrey da war". Dass ihre einstige Freundin heute eisern schweigt, deutet Anne als bewusst gewählte Strategie: Ghislaine fühle sich unfair behandelt und hoffe angeblich auf einen politischen Deal, vielleicht sogar eine Begnadigung durch US-Präsident Donald Trump (79). Erst im Austausch gegen Freiheit werde sie bereit sein, das Netzwerk und die mächtigen Namen vollständig offenzulegen, glaubt Anne.

Hinter der Frau, die heute als eiskalte Organisatorin von Übergriffen gilt, steht eine lange Geschichte von sozialem Druck und eng verwobenen Loyalitäten. Ghislaine wuchs in einem extrem privilegierten, aber auch konfliktreichen Familienkosmos auf, geprägt von einem dominanten Vater und großen öffentlichen Erwartungen. Nach seinem Tod orientierte sie sich neu in den USA, suchte im New Yorker Jetset Halt und Gesellschaft und wurde an der Seite von Jeffrey Teil eines Kreises, in dem Privatjets, Inseln und Paläste zum Alltag gehörten. Aus dieser Welt stammen bis heute viele der einflussreichen Bekannten, die im Zusammenhang mit den Epstein-Akten immer wieder erwähnt werden. Während Ghislaine ihre 20-jährige Haftstrafe absitzt und bisher jede größere Abrechnung mit diesem Leben verweigert, bleibt von der einstigen Society-Frau vor allem das Bild einer Person, die zwischen Eigeninteressen und einem radikal verschobenen Blick auf andere Menschen ihren Platz im System vergeblich suchte.

Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell
ZUMA Press Wire / Zuma Press
Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell
Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein in New York
Imago
Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein in New York
Bill Clinton im Gespräch mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell, 1993
IMAGO / Avalon.red
Bill Clinton im Gespräch mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell, 1993
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