"Beef Jerky": Skeptiker wittern Codesprache in Epstein-Akten
In den jüngst veröffentlichten Akten zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (†66) sorgt ein scheinbar harmloses Wort für Aufsehen: "Beef Jerky" – also Trockenfleisch. In den über drei Millionen Seiten, die das US-Justizministerium unter Justice.gov online gestellt hat, tauchen der Begriff und Variationen desselben immer wieder auf: Reddit-Nutzer wollen bis zu 383 Erwähnungen gezählt haben und wittern dabei einen dunklen Code für Menschenfleisch. In den entsprechenden E-Mails geht es um Lieferungen von Trockenfleisch, Rezepte, die richtige Gefrierlagerung und sogar um Labortests. Mehrfach ist von hausgemachtem Jerky die Rede, das direkt zu Jeffrey gebracht werden soll. Die Mails stammen unter anderem von Koch Francis Derby, der den mittlerweile verstorbenen Unternehmer persönlich bewirtete – teils mit Verweis auf ein Restaurant mit dem provokanten Namen "Cannibal". Alles nur die kulinarische Marotte eines Ernährungsfanatikers oder doch die Tarnung für eine weitaus düstere, sehr spezielle Diät?
Wer tiefer in die Akten eintaucht, findet diverse detailverliebte Nachrichten rund um das Thema Trockenfleisch. In einer Mail schreibt eine anonyme Person: "Möchte jemand einen Kurs für Trockenfleisch? Francis arbeitet in einem Restaurant namens 'Cannibal' und bringt eine Kostprobe seines neuen Rezepts mit." In einer anderen Mail heißt es im englischen Original, "Jojo is here and will walk the jerky over to Jeffrey", was einige Nutzer als geheimnisvolle Umschreibung für einen lebendigen Menschen deuten, der selbst zu Jeffrey "rübergeht". Allerdings kann "walk something over" auch schlicht "rüberbringen" bedeuten und taucht in den Akten mehrfach im Zusammenhang mit dem Transport von Dokumenten auf. Auch die Tatsache, dass Jeffrey bei seinem Geschäftspartner Steve Hanson explizit Laborergebnisse zu den Fleischproben einforderte, befeuert die Gerüchteküche: Handelte es sich um Reinheitsprüfungen für Snacks oder, wie auf Reddit gemutmaßt wird, um medizinische Screenings potenzieller Opfer?
Das Bild, das die Unterlagen in ihrem Wortlaut zeichnen, offenbart bisher nichts weiter als einen Mann mit manischem Kontrollanspruch über den eigenen Körper. Jeffrey verfolgte scheinbar eine rigide High-Protein-Diät, für die er Profiköche einspannte, um den perfekten Snack nach seinen Vorgaben zu designen. Bekannte gesundheitliche Probleme und ein Hang zur Selbstoptimierung führten dazu, dass er seinen Gesundheitszustand minutiös überwachen ließ. Am Ende bleibt ein klassisches Dilemma der Epstein-Aufarbeitung: In einem Umfeld, das von realem, unfassbarem Grauen geprägt war, neigt die Öffentlichkeit dazu, hinter jedem Wort das ultimative Böse zu vermuten. Doch wo die Grenze zwischen exzentrischem Wahn und krimineller Codierung verläuft, bleibt unscharf. Während die einen in der Fleisch-Fixierung den nächsten Abgrund sehen, deuten die bisher veröffentlichten Akten eher darauf hin, dass hier die Paranoia der Skeptiker auf den Kontrollzwang eines Täters trifft – und eine banale kulinarische Obsession durch den Filter von Verschwörungstheorien ins Groteske übersteigert wird.







