Jeffrey Epstein nutzte Ärzte zur Beeinflussung von Frauen

Jeffrey Epstein nutzte Ärzte zur Beeinflussung von Frauen

- Patricia Schlösser-Christ
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Jeffrey Epstein (†66) soll Ärzte gezielt eingesetzt haben, um Kontrolle über Frauen in seinem Umfeld auszuüben. Das geht aus einem Bericht der New York Times hervor, der sich auf Kommunikationsdaten zwischen dem verstorbenen Sexualstraftäter und verschiedenen Medizinern stützt. Die Dokumente wurden im vergangenen Monat vom US-Justizministerium freigegeben. Demnach verweigerte Jeffrey Frauen teilweise medizinische Behandlungen oder ließ sich von Ärzten ein finales Mitspracherecht bei Entscheidungen einräumen, die ihn nichts angingen. In einem Fall bat ein Assistent Epsteins um Rückmeldung, ob er einer Frau 600 Dollar (rund 500 Euro) für eine Aknebehandlung bei einem gewissen "Dr. Victor" zukommen lassen solle. Jeffreys Antwort lautete schlicht: "Ignorieren."

Die New York Times beschreibt weitere konkrete Fälle, in denen Jeffrey offenbar direkten Einfluss auf die Versorgung nahm. So soll ein Arzt namens Dr. Jess Ting auf Epsteins Esstisch eine Kopfwunde einer Frau mit 35 Stichen genäht haben. Dr. Margaret Moon, Expertin für medizinische Ethik an der Johns Hopkins Universität, erklärte gegenüber der Zeitung, dass eine derart schwere Verletzung in einer voll ausgestatteten Notaufnahme hätte behandelt werden müssen. Dr. Ting beteuerte, er habe bei der Behandlung seiner erwachsenen Patienten niemals illegale oder potenziell illegale Aktivitäten gekannt, gesehen oder davon gewusst und bedauere seine Verbindung zu Jeffrey. In einem weiteren Fall fragte ein Zahnarzt der Columbia University bei Jeffrey nach, wie viel Arbeit er an einem "Mädchen" mit zwei "schwarzen Zähnen" durchführen lassen wolle. Ein weiterer Arzt, Dr. Bruce Moskowitz, riet dem verurteilten Sexualstraftäter, zwei Frauen mit Tripper in eine Notaufnahme in West Palm Beach zu schicken, damit er die Fälle nicht "an das Gesundheitsamt melden" müsse, "einschließlich der Kontakte". In Florida sind Ärzte verpflichtet, die Namen positiv getesteter Personen zu melden.

Die jüngsten Details zeichnen das Bild eines Netzwerks, in dem medizinische Expertise und finanzielle Abhängigkeiten eng verwoben waren. Zahlreiche Ärzte erhielten große Geldbeträge – meist als Spenden für die Forschung, aber manchmal auch als Barzahlung oder Gefälligkeiten –, um weiterhin Behandlungen sicherzustellen. Neben den jetzt bekannt gewordenen Arztkontakten hatten frühere Unterlagen bereits gezeigt, dass Jeffrey sein Umfeld sorgfältig aufbaute – von wohlhabenden Bekannten über Institutionen bis hin zu Personen, die ihm Zugang zu jungen Frauen verschafften. So ließ er beispielsweise Model-Scouts nach Opfern Ausschau halten. Durch die neuesten Enthüllungen ist klar: Frauen, die in seinem Dunstkreis landeten, waren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesundheitlich auf Strukturen angewiesen, die er kontrollierte oder beeinflusste. Der Unternehmer nutzte somit auch das Gesundheitssystem systematisch als Instrument der Manipulation.

Jeffrey Epstein
IMAGO / ZUMA Press Wire
Jeffrey Epstein
Jeffrey Epstein
Actionpress / Photo courtesy of the US Department of Justice via Sipa USA
Jeffrey Epstein
Jeffrey Epstein, Fotoveröffentlichung des House Oversight Committee
Imago
Jeffrey Epstein, Fotoveröffentlichung des House Oversight Committee