

Rechtsmediziner zweifelt an Jeffrey Epsteins Todesursache
Neue Dokumente rund um den Tod von Jeffrey Epstein (†66) sorgen für neuen Wirbel um die offiziellen Ermittlungen. Der frühere Unternehmer war im August 2019 leblos in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center in New York gefunden worden. Offiziell heißt es seitdem: Suizid durch Erhängen. Doch nun legen im Rahmen des "Epstein Files Transparency Act" veröffentlichte Protokolle nahe, dass selbst an der Autopsie beteiligte Experten nicht völlig einer Meinung sind. Während der von Epsteins Bruder Mark beauftragte Rechtsmediziner Michael Baden in einem Gespräch mit dem Magazin Business Insider weiterhin von Mord ausgeht, verteidigt Pathologin Kristin Roman ihre spätere Einstufung als Suizid – und heizt damit die Diskussion um die Todesursache erneut an.
Michael Baden, der bei der Obduktion anwesend war, verweist vor allem auf drei Frakturen am Hals des Milliardärs: "Noch nie habe ich in meinen 25 Jahren als Gerichtsmediziner in New York City drei Halsfrakturen bei einem Suizid durch Erhängen gesehen", sagte er dem Magazin. Kristin Roman, die die Autopsie leitete, widerspricht: Die Brüche am Zungenbein und am Schildknorpel seien durchaus mit einem Erhängen vereinbar, weil das Zungenbein gegen die Wirbelsäule gedrückt worden sei. Manuelle Strangulation hätte ihrer Einschätzung nach "ungleichmäßige Frakturen" verursacht.
Streitpunkt bleibt auch die Schlinge: Kristin Roman spricht von einer aus einem Bettlaken gefertigten Schlinge, die neben Epsteins Körper gefunden worden sei. Michael Baden will bei der Autopsie jedoch keine passende Schlinge gesehen haben und hält die späteren Fotos von Stoffstreifen in der Zelle für nicht überzeugend. Mark Epstein reagiert angesichts der widersprüchlichen Details empört: "Entweder lügen sie, sie sind inkompetent oder sie irren sich", erklärte er gegenüber Business Insider. Er hält weiterhin an seiner Überzeugung fest, dass sein Bruder ermordet wurde. Auch Epsteins frühere Vertraute Ghislaine Maxwell (64) sowie mehrere Frauen, die sich als Opfer des Unternehmers sehen, zweifeln die Suizid-Version an.
Die Unterlagen zeigen zudem, wie eingeschränkt Kristin Roman bei ihrer Beurteilung war. Sie durfte die Zelle nicht persönlich inspizieren und musste sich auf Fotos der Szene verlassen. Gespräche mit Justizvollzugsbeamten waren ihr ebenfalls untersagt. Doch sie betont, diese Faktoren hätten ihre Feststellungen nicht entscheidend beeinflusst. Die Kombination aus Epsteins prominenten Beziehungen, der mangelhaften Überwachung des Tatorts sowie der widersprüchlichen Aussagen der Experten befeuern die Verschwörungstheorien. Bereits zuvor hatten interne Unterlagen offengelegt, dass sogar eine Aufseherin kurz vor dem Tod gezielt nach Neuigkeiten über den Häftling im Netz suchte – ein weiterer Baustein in einem Fall, der die Welt bis heute beschäftigt.






