Damalige Ermittlerin: Verstörende Eindrücke auf Neverland

Damalige Ermittlerin: Verstörende Eindrücke auf Neverland

- Yasmin Keller
Lesezeit: 3 min

Mehr als zwei Jahrzehnte nach der spektakulären Hausdurchsuchung auf der Neverland-Ranch von Michael Jackson (†50) kehrt Ermittlerin Ruby Wolff jetzt an den Ort zurück, der sie bis heute geprägt hat. Gemeinsam mit dem britischen Medium Mirror besucht sie das frühere Anwesen von Michael Jackson in den Hügeln nördlich von Santa Barbara, wo im November 2003 rund 20 Beamte nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den King of Pop des damals 13-jährigen Gavin Arvizo jedes Zimmer durchsuchten. Schon an den Toren des riesigen Grundstücks brechen bei Ruby die Erinnerungen auf, als sie eine Kinderzeichnung an der Mauer entdeckt und mit Trauer reagiert. Die frühere Polizistin spricht davon, wie wertvoll die Unschuld eines Kindes sei – und dass diese für sie sowohl bei Michael als auch später im Gerichtssaal keine Rolle gespielt habe.

Im Interview mit dem Mirror schildert Ruby detailliert, wie sie das Anwesen schon damals als protzig und zugleich verstörend empfand. Kaum hatte das Einsatzteam die Einfahrt passiert, habe plötzlich Peter-Pan-Musik eingesetzt, überall auf den Rasenflächen standen Kinderstatuen. Im Inneren des Haupthauses seien prunkvolle Kronleuchter und Wände voller Fotos von Michael mit Staatsoberhäuptern und Stars aufgefallen. Als Ruby den Auftrag bekam, das Schlafzimmer des Sängers zu finden, habe sie bereits die erste irritierende Entdeckung gemacht: Wer hineinwollte, musste zunächst eine Klingel betätigen, damit im Zimmer ein Signal ertönte. Der Flur dorthin sei mit weiteren Kinderfiguren gesäumt gewesen. Im Schlafzimmer selbst beschreibt sie chaotische Zustände – verrottende Lebensmittel wie eine vergessene Packung Wurst in einer Plastiktüte, überfüllte Schubladen, Michaels berühmter Handschuh und Bühnenkostüme einfach auf dem Boden verteilt. In einer Schublade lag nach ihren Angaben sogar eine kostbare Uhr von Sophia Loren (91) achtlos zwischen anderen Dingen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr eine kleine versteckte Tür im Bad, hinter der sich ein schmaler Bereich befand, den Michael offenbar als geheimen Zugang nutzte. Schließlich stieß sie in einem Aktenkoffer auf pornografisches Material, das ihrer Darstellung nach zu den Schilderungen des mutmaßlichen Opfers passte. Trotz dieser Funde wurde der Musiker nach einem mehrmonatigen Prozess freigesprochen – eine Entscheidung, die Ruby bis heute beschäftigt. Ihre Rückkehr nach Neverland und ihre Schilderungen sind jetzt in einem Video auf YouTube zu sehen.

Während Ruby die Verklärung des King of Pop kritisch sieht, rückt mit dem Hollywood-Biopic "Michael" erneut die Familie des verstorbenen Superstars in den Fokus. Der Film soll im Frühjahr 2026 in die Kinos kommen. Darin verkörpert Michaels Neffe Jaafar Jackson (29) seinen berühmten Onkel, unterstützt von einem Starensemble. Innerhalb des Clans sorgt das Projekt schon länger für Spannungen: Teile der Familie loben es als Möglichkeit, Michaels künstlerisches Erbe zu zeigen, andere bewerten einzelne Entscheidungen rund um das Werk deutlich kritischer. Die unterschiedlichen Sichtweisen prallen dabei nicht nur beruflich, sondern auch im Privaten aufeinander – etwa, wenn Geschwister und Kinder des Sängers bei internen Vorführungen aufeinandertreffen und ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Emotionen mit dem Bild abgleichen, das auf der Leinwand entsteht.

Michael Jackson, 2005
Getty Images
Michael Jackson, 2005
Michael Jackson bei den American Music Awards 2002
Getty Images
Michael Jackson bei den American Music Awards 2002
Kranzschmuck am Tor von Michael Jacksons Neverland Ranch in Los Olivos, 28. Juni 2009
Getty Images
Kranzschmuck am Tor von Michael Jacksons Neverland Ranch in Los Olivos, 28. Juni 2009
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