"Kein Pfennig mehr": Angelo Kelly über harte Kelly-Zeiten
Angelo Kelly (44) wuchs in einer Familie auf, die wusste, was echte Not bedeutet. Als seine Mutter im Sterben lag, spielten seine älteren Geschwister in zwei Schichten auf der Straße – um die Behandlungskosten zu stemmen. "Am Ende hatten wir keinen Pfennig mehr. Die Grabplatte für sie haben wir selber gemacht, aus Beton", sagt Angelo im Interview mit dem Stern. Hinzu kam, dass sein Vater zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Alkoholabhängigkeit war. Die Familie funktionierte trotzdem, weil sie keine andere Wahl hatte. Straßenmusik war kein Lifestyle, sondern schlicht das Mittel zum Überleben.
Auch nach dem großen Ruhm und ausverkauften Stadien kehrte die finanzielle Enge zurück. Anfang der 2000er-Jahre, nach dem Tod des Vaters, hatte die Kelly Family Schulden, die abgewickelt werden mussten. Angelo arbeitete als Drummer, gab Unterricht – und lehnte dennoch gut bezahlte TV-Angebote ab. "Zum Beispiel zu Formaten wie diesem verdammten 'Promi-Dinner', das ich wirklich schrecklich finde. Wie oft die mich damals gefragt haben, jedes Mal haben sie ein paar Tausend Euro angeboten", erinnert er sich. Die harten Jahre haben Angelo geformt, nicht die Erfolge. Als er 2010 mit Frau und Kindern ins Wohnmobil zog und wieder als Straßenmusiker arbeitete – diesmal anonym, im Ausland – schloss sich für ihn ein Kreis. Dass er dabei manchmal nur 30 Euro an einem Regentag verdiente, störte ihn nicht. Der Zusammenhalt der Kellys speist sich laut Angelo aus genau diesen Erfahrungen: "Wir werden immer überleben. Wir sind ein unfassbares Team – fast so wie Vietnam-Veteranen", sagt er im Stern.
Doch auch auf kuriose Vorfälle blickt Angelo zurück. Eric Clapton (81) sprach die Kelly Family auf einem Festival an. "Er sagte: 'Seid ihr mal in England? Ich würde euch gern zu mir nach Hause einladen'", erzählt Angelo. Doch dazu sollte es nicht kommen. "Das war auf dem Höhepunkt unseres Erfolgs, wir haben damals jeden Tag solche crazy Sachen erlebt. Es hat einen kurz überwältigt, aber dann passierte schon das Nächste. Es war einfach alles zu viel." Nicht minder unvergesslich war eine Begegnung mit Bruce Springsteen (76) in Dortmund. Die Familie traf den Rockstar backstage bei dessen Konzert. Als Bruce erfuhr, dass die Familie auf einem Hausboot wohnte, widmete er ihr kurzerhand seinen Song "The River". "Das war ein unglaublicher Moment", so Angelo.











