Prinz Andrew unter Druck: Polizei weitet Ermittlungen aus
Die Ermittlungen gegen Prinz Andrew (66) nehmen eine neue Wendung: Die Thames Valley Police hat ihre Untersuchungen ausgeweitet und prüft nun auch mögliche Sexualdelikte. Wie die Behörde mitteilte, werden potenzielle Opfer dabei mit "Fürsorge, Sensibilität und Respekt" behandelt. Bislang war Andrew, der im Februar nach seiner Verhaftung an seinem 66. Geburtstag und einer elfstündigen Befragung unter Ermittlung gestellt worden war, vor allem wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch ins Visier geraten. Konkret geht es dabei um den Vorwurf, er habe während seiner Zeit als britischer Sonderhandelsbeauftragter zwischen 2001 und 2011 vertrauliche Informationen an seinen Freund und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) weitergegeben.
Unter den neuen Aspekten der Ermittlungen wird auch der Fall einer Frau geprüft, die nach eigenen Angaben im Jahr 2010 von Epstein zu Andrew in dessen damalige Residenz Royal Lodge in Windsor gebracht worden sein soll. Die Frau, die nicht britischer Nationalität und damals in ihren Zwanzigern war, wird von dem Anwalt Brad Edwards vertreten. Dieser erklärte: "Wir reden von mindestens einer Frau, die von Jeffrey Epstein zu Prinz Andrew geschickt wurde." Laut Edwards soll die Frau nach der Nacht mit dem ehemaligen Prinzen Tee bekommen und eine Führung durch den Buckingham Palace erhalten haben. Auch eine einwöchige Durchsuchung von Andrews früherem 30-Zimmer-Anwesen hat bereits stattgefunden. Das dabei sichergestellte Material wird laut Polizei derzeit akribisch ausgewertet. Assistant Chief Constable Oliver Wright betonte, dass es sich um eine "komplexe Ermittlung" handele und die Detektive "methodisch durch eine erhebliche Menge an Informationen" arbeiteten. Andrew bestreitet sämtliche Vorwürfe vehement.
Eine zentrale Rolle in dem gesamten Komplex spielen auch die Aussagen der 2024 verstorbenen Virginia Giuffre (†41), die 2014 als erste Frau öffentlich Vorwürfe gegen Andrew erhob. Sie behauptete, als 17-Jährige von Epstein und dessen damaliger Freundin Ghislaine Maxwell (64) missbraucht und gezwungen worden zu sein, mit Andrew Sex zu haben. 2021 hatte Giuffre in den USA eine Zivilklage gegen ihn eingereicht, die nach einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt wurde. Maxwell wurde 2022 in den USA zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil sie Epstein beim Missbrauch junger Mädchen geholfen hatte. Im Zuge der Veröffentlichung der Epstein-Akten haben inzwischen mehrere britische Polizeibehörden Ermittlungen aufgenommen – darunter auch Untersuchungen zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen in Surrey und Berkshire, die sich laut Ermittlern zwischen den späten 1980er-Jahren und dem Jahr 2000 zugetragen haben sollen.








