Hinweis: Vermisste Deutsche (22) taucht in Epstein-Files auf

Hinweis: Vermisste Deutsche (22) taucht in Epstein-Files auf

- Marina Birner
Lesezeit: 3 min
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In den sogenannten Epstein-Files ist der Name einer seit über zehn Jahren vermissten Deutschen aufgetaucht – und das sorgt nun für neues Aufsehen rund um den Missbrauchsskandal des 2019 verstorbenen US-Unternehmers Jeffrey Epstein (†66), der auch Promis erpresst haben soll. Gemeinsame Recherchen von ZDF, Der Spiegel und Paper Trail Media zeigen: Der Modelscout Daniel Siad schickte im Jahr 2014 mehrere Fotos der damals 22-jährigen Deutschen namens Michele an den verurteilten Sexualstraftäter und bot sie ihm offenbar an. "Ich hatte mich gefragt, ob du ein Ticket für Michele schicken möchtest, das Mädchen aus Deutschland, das du verpasst hast", heißt es in einer der Mails. In einer weiteren schrieb Siad: "Sie ist ein Mädchen, das ich sehr gut kenne, großartige Person. Du wirst sie lieben." Ob es tatsächlich zu einer Begegnung zwischen Michele und Epstein kam, ist unklar. Sicher ist: Im September 2015 verließ die junge Frau mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter – und verschwand spurlos.

Die Familie erinnert sich noch gut an den Namen Daniel Siad. Micheles Vater Vlado erzählt gegenüber ZDF und Der Spiegel, seine Tochter habe Siad kennengelernt, als sie in Dubai lebte und kellnerte. "Der hat sich als Modelscout vorgestellt und hat ihr dann angeboten, Fotos zu machen – sie wollte immer modeln – und so haben die sich kennengelernt." Kurz vor ihrem Verschwinden habe er ein Telefonat zwischen den beiden miterlebt: "Von Weitem hab ich im Telefon gehört, wie er mit ihr schimpft. Und dann ist das so gewesen, dass sie da Angst hatte." Michele soll ihrem Vater außerdem erzählt haben, dass Siad einen Escortservice betreibe. Ihr Ex-Freund ergänzte gegenüber dem Magazin Der Spiegel: "Ich glaube, man hat ihre Drogensucht ausgenutzt. Ich weiß, dass es oft darum ging, dass sie irgendwo hinkommen sollte und dass es halt um Geld ging." Gegen Siad laufen in Frankreich Vorermittlungen wegen Vergewaltigung und Menschenhandel – fünf Frauen haben dort Anzeige erstattet. Er bestreitet die Vorwürfe öffentlich und gibt an, von Epsteins Missbrauch nichts gewusst zu haben. Noch gilt die Unschuldsvermutung.

Der Epstein-Skandal erhält damit eine weitere europäische Dimension. Bereits zuvor hatten Recherchen ergeben, dass französische Ermittler rund 20 mutmaßliche Betroffene identifiziert haben, darunter viele, die den Behörden bislang unbekannt waren. In den Epstein-Files taucht Siads Name insgesamt 1.840 Mal auf – in Anrufprotokollen, Nachrichten und E-Mails. Darin bietet er wiederholt junge Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern an, darunter auch Minderjährige. Micheles Eltern Annett und Vlado leben nun seit mehr als zehn Jahren in Ungewissheit. Ihre Hoffnung, durch die neuen Recherchen endlich Antworten zu bekommen, formulierte Vlado so: "Vielleicht hat man da irgendwie Glück und findet da noch Anhaltspunkte, die dann dazu führen, um die Wahrheit zu erfahren. Das ist das, was ich hoffe." Die deutsche Polizei will laut Der Spiegel nun prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verbrechens eingeleitet werden soll.

Jeffrey Epstein auf einer von der US-Justiz veröffentlichten Aufnahme
Imago
Jeffrey Epstein auf einer von der US-Justiz veröffentlichten Aufnahme
Jeffrey Epstein auf einer Aufnahme aus Ermittlungsakten des US-Justizministeriums
Imago
Jeffrey Epstein auf einer Aufnahme aus Ermittlungsakten des US-Justizministeriums
Jeffrey Epstein und eine unbekannte Frau auf einem von der US-Justiz veröffentlichten Foto
U.S. Department of Justice, DOJ
Jeffrey Epstein und eine unbekannte Frau auf einem von der US-Justiz veröffentlichten Foto
Glaubt ihr, dass die Epstein-Files noch mehr europäische Verbindungen ans Licht bringen werden?