

Thronfolgereform: So versucht Japan die Monarchie zu retten
Japan plant eine weitreichende Reform seiner Kaiserhaus-Gesetze, um die Zukunft der Monarchie zu sichern. Das Kabinett hat jetzt ein überarbeitetes Gesetzespaket auf den Weg gebracht, das gleich auf mehreren Ebenen ansetzt. Unverheiratete Prinzessinnen wie Prinzessin Aiko, die einzige Tochter von Kaiser Naruhito (66) und Kaiserin Masako, sollen künftig selbst entscheiden dürfen, ob sie nach einer Heirat ihren kaiserlichen Status behalten oder das Kaiserhaus verlassen. Bislang war das für sie keine Wahl: Wer einen bürgerlichen Mann heiratete, verlor automatisch seinen royalen Status. Doch das Recht auf diese Entscheidung gilt nur für die Prinzessinnen, die bereits heute unter dem bestehenden System leben – nicht für zukünftige Generationen.
Denn auch wenn Aiko nach einer Heirat Prinzessin bleiben darf, bleibt ihre Familie es nicht: Ehemann und Kinder würden bürgerlich bleiben und hätten keinen Anspruch auf die Thronfolge, die weiterhin rein männlich geregelt ist. Gleichzeitig sieht die Reform ein Adoptionsmodell vor, das Männer aus elf alten Nebenlinien des Kaiserhauses zurückbringen soll – Linien, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren kaiserlichen Status verloren hatten. Rund zehn unverheiratete Männer kämen dafür infrage. Besonders brisant: Nicht die Adoptierten selbst, sondern deren mögliche Söhne würden wieder in die Thronfolge einrücken. Das sorgt für Kritik bei Oppositionsparteien. Masayo Tanabu, Generalsekretärin der Konstitutionell-Demokratischen Partei, bemängelte laut Medienberichten, das Paket enthalte "Bestimmungen, die nicht Teil des Panelrahmens waren" und sei "weit von einem Konsens der Legislative entfernt".
Die Dringlichkeit der Reform wird deutlich, wenn man einen Blick auf die aktuelle Thronfolge wirft: Nach Kaiser Naruhito steht sein Bruder Kronprinz Akishino in der Linie, gefolgt von dessen 19-jährigem Sohn Prinz Hisahito – dem einzigen jungen männlichen Thronfolger. Der 16 Mitglieder zählenden Kaiserfamilie gehören derzeit fünf unverheiratete Frauen an. Das Gesetzespaket sieht außerdem vor, die Regelungen alle 30 Jahre zu überprüfen – ein Eingeständnis, dass die Monarchie sich langfristig weiter anpassen muss. Ob die Gesetze noch vor dem Ende der Parlamentssitzung am 17. Juli verabschiedet werden, ist bislang offen. Mit der Regelung der rein männlichen Thronfolge bleibt das japanische Kaiserhaus seiner konservativen Linie treu und steht europäischen Königshäusern in Sachen Modernisierung in jedem Fall nach.






